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Was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich?

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Egal ob Seife, Finanzprodukte oder im Zuge politischer Talkshowdebatten – überall stößt man auf den Begriff der „Nachhaltigkeit“. Doch was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich? Oftmals wird der Begriff verkürzt schlicht mit „dauerhaft“ übersetzt – mit fatalen Folgen: So könnte man beispielsweise argumentieren, dass die Verschmutzung der Weltmeere durch Plastikmüll eine besonders nachhaltige Verunreinigung ist, da Einkaufstüten und Einweggeschirr nur sehr langsam abgebaut werden. Auch die Gleichsetzung mit „umweltfreundlich“ greift zu kurz, da insbesondere soziale Aspekte wie Bildung und Zusammenleben gänzlich ausgeklammert würden. Eine Möglichkeit den Begriff der Nachhaltigkeit in ganzheitlicher Art und Weise zu greifen, bietet das „Integrative Konzept Nachhaltiger Entwicklung“.

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Es lohnt sich einen Blick in die Geschichte zu werfen. Der Grundgedanke der Nachhaltigkeit ist älter als man vermuten könnte. Bereits im Jahr 1713 forderte der deutsche Kammer- und Bergrat Hans Carl von Carlowitz, dass der Wald „nachhaltend“ bewirtschaftet wird, das heißt nicht mehr Holz im Laufe eines Jahres geschlagen werden sollte, als nachwächst. Ihm ging es darum, von den Erträgen der Natur zu leben und nicht von deren Substanz. Dieser Gedanke spiegelte sich auch rund 250 Jahre später in der 1972 veröffentlichten Studie „Die Grenzen des Wachstums“ wieder.  Die Studie wurde vom Club of Rome in Auftrag gegeben und zeigt unterschiedliche Entwicklungsszenarien für die gesamte Menschheit auf, mit dem Ergebnis, dass aufgrund knapper Ressourcen und einer begrenzten Belastbarkeit der Umwelt ein „Weiter so wie bisher“ in die Katastrophe führen würde.

1983 wagten sich die Vereinten Nationen an die Frage heran, welche Bedingungen für eine Nachhaltige Entwicklung erfüllt sein müssten. Eine Begriffsdefinition, die bis heute weitgehend verwendet wird, findet sich hierzu im sogenannten Brundtland-Bericht „Unsere gemeinsame Zukunft“ wieder: Eine Nachhaltige Entwicklung ist demnach realisiert, wenn sie „die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“. Aufbauend auf den Ergebnissen der Brundtland-Kommission fand im Jahre 1992 der sogenannte UN-Gipfel von Rio statt. Hieraus entstanden unter anderem die verschiedenen „lokalen Agenda 21“-Gruppen, welche es sich zur Aufgabe gemacht haben, Nachhaltige Entwicklung auf lokaler Ebene gemäß der Prämisse: „Global denken, lokal handeln“ umzusetzen.

Wenn man derzeit von Nachhaltigkeit spricht, so ist der Anlass oft ein mögliches Unheil, das weite Teile der Menschheit bedroht, sofern nicht die dafür notwendigen Gegenmaßnahmen getroffen werden: Seien es nun die sozialen und wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels oder fortschreitender Armut, Kriege um Rohstoffe, Flüchtlingsströme oder desaströse Unfälle in Kernkraftwerken. Natürlich müssen diese Gefahren berücksichtigt und angegangen werden, doch der Weg einer Nachhaltigen Entwicklung kann vielseitiger sein, als „Verzicht und Krise“. Wie wäre es dabei beispielsweise mit „Freude statt Sorge“, mit „Lust statt Pflicht“ oder „Wollen statt Sollen“? Haben wir nicht alle mehr Freude daran, in einem sauberen und unbelasteten See zu baden anstatt durch einen ‚Mülltümpel‘ zu waten? Es geht also um eine Verbesserung des menschlichen Lebens insgesamt – auch und gerade für kommende Generationen. Nachhaltige Entwicklung heißt dabei auf eine kurze Formel gebracht: „heute gut zu leben und dabei die Mitwelt, Umwelt und Nachwelt zu achten.“

Im „Integrativen Konzept nachhaltiger Entwicklung“ der Helmholtz-Gemeinschaft wurden im Jahre 2001 Nachhaltigkeitsregeln aufgestellt, die Orientierung bieten, wie Nachhaltigkeit ausgestaltet werden kann. Das „Integrative Konzept“ schließt sowohl die heutigen als auch die kommenden Generationen ein und berücksichtigt die weltweite und lokale Perspektive. Hauptziele sind, die menschliche Existenz und Grundversorgung aller Menschen zu sichern, sowie die Handlungs- und Entwicklungsmöglichkeiten zu bewahren. Dabei muss selbstverständlich jede Gesellschaft für sich selbst entscheiden, wie sie Nachhaltige Entwicklung konkret ausbuchstabiert.

Die Nachhaltigkeitsregeln des Integrativen Konzepts im Überblick:

1. Die menschliche Existenz sichern
1.1 Menschliche Gesundheit schützen
1.2 Grundversorgung sichern
1.3 Selbständige Existenzsicherung
1.4 Gleiche Möglichkeiten der Nutzung der Umwelt für alle Menschen
1.5 Übersteigerte Einkommens- und Vermögensunterschiede ausgleichen

2. Die Fähigkeit der Gesellschaft erhalten, Produkte herzustellen oder Dienstleistungen bereitzustellen
2.1 Erneuerbare Rohstoffe und Energiequellen nachhaltig nutzen
2.2 Nicht erneuerbare Rohstoffe und Energiequellen nachhaltig nutzen
2.3 Umwelt nutzen, ohne ihrer Aufnahmefähigkeit für schädliche Stoffe und Abwärme zu schaden
2.4 Unvertretbare technische Risiken vermeiden
2.5 Sachwerte sowie Fähigkeiten und Wissen nachhaltig entwickeln

3. Die Entwicklungs- und Handlungsmöglichkeiten bewahren
3.1 Chancengleichheit bei Bildung, Beruf, Ämtern und Information ermöglichen
3.2 An gesellschaftlichen Entscheidungsvorgängen mitwirken können
3.3 Kulturelles Erbe und kulturelle Vielfalt erhalten
3.4 Natur und Landschaft als Kulturgüter erhalten
3.5 Sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft bewahren

Im Quartier Zukunft soll „Nachhaltigkeit“ im Sinne des Integrativen Konzepts umgesetzt werden. Eine anschauliche Kurzfassung des Konzepts mit dem Titel „Wie Nachhaltigkeit möglich ist“ finden Sie unten stehend zum Download.

Download

Wie Nachhaltigkeit möglich ist [pdf – 3 MB]

What makes sustainability possible [pdf]

Weiterführende Links

Bundtland-Bericht (englisch)

 

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