Die zweite BioRegio Karlsruhe bringt Erzeuger, Handel, Gastronomie und Außer-Haus-Verpflegung zusammen

Regionales Netzwerk stärken, Zusammenarbeit gestalten und zukunftsfähige Wertschöpfungsketten bilden

Nach dem starken Auftakt im vergangenen Jahr, knüpfte die zweite Ausgabe der BioRegio Karlsruhe direkt an den Erfolg an: Ende November 2025 fand im Kulturzentrum Tollhaus Karlsruhe die zweite BioRegio Karlsruhe statt – als Bio-Treffpunkt und B2B-Forum für den Großraum Karlsruhe. Das Quartier Zukunft war auch vor Ort und brachte Erkenntnisse aus der Forschung ein.

Infostände in einer Messehalle.

Schaufenster der regionalen Lebensmittel-Vielfalt

Im „Schaufenster der regionalen Lebensmittel-Vielfalt“ präsentierten sich Betriebe, um zu zeigen, wie breit die bioregionale Palette hier vor Ort bereits ist – und wie viel Potenzial noch drinsteckt. Mit dabei waren unter anderem Fächerbräu, die Teigwarenfabrik Jeremias, Ludwig Schenk (Großmarkt Karlsruhe; küchenfertige Obst- und Gemüseprodukte), die Bioland-Betriebe Petrik (Gemüse) und Sonnenhaldenhof (Hülsenfrüchte/Getreide), außerdem Andrea Kruse-Bitour (Kürbismehl-Manufaktur), Abeentoo (Tempeh), Fairfleisch (Bio-Fleisch/Gras-Rind) und Auenhof (Trockenprodukte).

Gerade dieser Messe-Teil machte sichtbar, was in vielen Gesprächen als roter Faden auftauchte: Face-to-face-Kontakte sind durch nichts zu ersetzen. Wer Wertschöpfungsketten regionaler und stabiler machen will, braucht Orte, an denen man sich wirklich begegnet – mit Produkt, Person und Praxisbeispiel.

Infostand mit Banner.

Drei Jahre KA.WERT – und spürbar mehr Rückenwind

In ihrer Begrüßung machte Sandra Schmidt deutlich: KA.WERT ist inzwischen seit drei Jahren unterwegs, das Netzwerk wächst und seit der ersten BioRegio hat sich viel bewegt. Ein anschließendes Grußwort von Bürgermeisterin Bettina Lisbach unterstrich das öffentliche Interesse und das Engagement, das in Karlsruhe bereits vorhanden ist, verbunden mit der klaren Botschaft: Vernetzen, vorankommen, dranbleiben. Oder wie es Bettina Lisbach ausdrückte: „Jeder Fortschritt zählt.“

Bürgermeisterin Lisbach bei einem Grußwort vor Publikum.

Blick in eine Messehalle mit Ständen.

Regionale Produkte stehen auf einem Tisch mit blauem Tischtuch.

Gruppe Menschen sitzt um einen Tisch beim Essen.

 

Besonders anschaulich wurde es in den Praxisbeispielen: Es ging um Zusammenarbeit, die schon heute Realität ist, etwa dort, wo küchenfertiges Bio-Gemüse und Hülsenfrüchte in der Gemeinschaftsverpflegung landen, oder wo sich durch veränderte Abnahmebedingungen Lebensmittelverluste reduzieren lassen.

  • Verwenden statt Verschwenden: Ein Highlight war die Idee, Kürbisüberschüsse als Rohstoff ernst zu nehmen, inklusive konkreter Zahlen aus der Praxis (wie das Verhältnis Kürbis zu Mehl und alltagstaugliche Rezeptentwicklung).
  • Abnahme & Planungssicherheit: Produktion „nach gesicherter Abnahme“ wurde als entscheidend beschrieben und zugleich auch die Risiken benannt, wenn Ernte/Verarbeitung schwierig werden und Ware liegen bleibt.
  • Wertschätzung in der Kette: Preis- und Qualitätsfragen wurden nicht abstrakt diskutiert, sondern direkt als Aushandlungsprozess angenommen, was Kooperationen überhaupt erst tragfähig macht.

Präsentation in Konferenzraum.

Ein Mann spricht in Mikrofon vor Publikum.

Werkstatt der Mutigen, Kinderernährung und Schulverpflegung: Veränderung braucht Räume

Spannend war auch der Blick auf Initiativen, die Verwaltung, Politik und Praxis zusammenbringen. Er verdeutlichte: Werteorientierte Ernährungsbildung und praxistaugliche Formate (zum Beispiel mobil, niedrigschwellig und kindgerecht) bleiben ein Schlüssel, wenn man langfristig Nachfrage und Bewusstsein stärken will.

Logistik: Gemeinsam umsetzen – mit nearbuy als Werkzeug

Wie kommen regionale Bio-Produkte zuverlässig dorthin, wo sie gebraucht werden, ohne, dass jedes Unternehmen allein die komplette Transportfrage lösen muss? Hier wurde nearbuy als digitales Werkzeug vorgestellt, das Abnehmer:innen und Produzent:innen unterstützt und Transportkooperationen ermöglicht – auch ohne physischen Umschlagpunkt. Gleichzeitig wurden die echten Hürden benannt: zwischenmenschliche Unsicherheiten, rechtliche Fragen, Verantwortlichkeiten. Dass dafür inzwischen Checklisten und ein Infohub entlang der Wertschöpfungskette entstehen, zeigt: Die Region arbeitet nicht nur an „mehr Bio“, sondern an mehr Systemfähigkeit.

Drei Frauen im Gespräch auf einer Bühne.

Wissenschaftliche Perspektive: Versorgungsketten nachhaltiger gestalten

Im Forum wurden außerdem Erkenntnisse aus der Forschung eingebracht. Unter anderem mit Blick auf internationale Erfahrungen, wie beispielsweise aus Schweden und der Türkei. Wanda Wieczorek und Eva Wendeberg vom Reallabor Quartier Zukunft am Karlsruher Transformationszentrum für Nachhaltigkeit und Kulturwandel (KAT) moderierten dazu das Gespräch mit Rebecka Milestad (Schweden) und Aylin Topal (Türkei). Dieser Austausch stellte den Karlsruher Prozess in einen größeren Rahmen: Bioregionale Märkte sind kein Selbstläufer, politische und regulatorische Bedingungen spielen hinein und zugleich bleibt die Klimafrage als Hintergrunddruck bestehen – unabhängig von tagespolitischen Krisen.

Auch der Fokus auf Gemeinschaftsverpflegung als Hebel kam stark durch: Die Wissenschaftlerin Pia Laborgne (Quartier Zukunft, KAT) zeigte, wie Realexperimente, Nachhaltigkeitsbewertungen und Potentialanalysen sichtbar machen, wo Veränderung im System besonders wirksam werden kann, etwa bei der Zusammensetzung von Speiseplänen.

Referentin steht hinter einem Pult.

Vortrag über Ernährungsgipfel Karlsruhe mit Bildern.

Ernährungsgipfel und Circular Economy: Lokale Ernährung als Teil der Kreislaufwirtschaft

Ein weiterer Strang verband den Karlsruher Ernährungsgipfel mit Ansätzen der Circular Economy. Diskutiert wurde dabei vor allem das Schließen von Lücken: Bündelung, Rückführung von Lebensmittelresten, Kompostierung und die Notwendigkeit eines systemischen Ansatzes. Als Wunschbild klang an: mehr Datengrundlagen, mehr Partizipation (bis hin zu Ernährungs-/Bürgerräten), Mut zum Experimentieren und passende Anschubfinanzierungen.

Ausklang: Die „Lange Tafel“ im Slow-Food-Stil

Gruppe von Menschen sitzt an einem langen Tisch mit Essen und Getränken darauf.

Programm zur BioRegio 2025 in Karlsruhe.

Zum Schluss klang der Tag gemeinschaftlich an der „Langen Tafel“ aus, mit Produkten der Ausstellenden. Slow Food brachte den Ton dafür gut auf den Punkt: Genuss und Verantwortung gehören zusammen – mit Blick auf Umwelt, Mensch und Tier.