Veranstaltungen

  1. ITAS for Future – offene Türen zum globalen Klimastreik am 19. und 20. September

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    Seit Herbst 2018 streiken Schülerinnen und Schüler freitags weltweit und unermüdlich für das Klima. Die Fridays for Future Bewegung hat damit schon einiges an Aufsehen erregt und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Eltern, Kunstschaffende und viele weitere Gruppen haben sich hinter sie gestellt. Nun ist es an der Zeit, dass wir alle gemeinsam auf die Straße gehen. Am 20. September findet der globale Klimastreik statt, zu dem explizit alle aufgefordert sind, sich der Jugend anzuschließen. Wie bereits im Mai öffnet das ITAS daher am 19. und 20. September wieder seine Türen und lädt Schülerinnen und Schüler, Studierende und alle Interessierten ein, sich direkt mit Forschenden auszutauschen.

    Begonnen hat alles mit einer einzigen Schülerin, die begann für ihre Zukunft zu streiken. Greta Thunberg hat damit eine Bewegung ins Leben gerufen, die sie sich so wohl kaum erträumt hat. Inzwischen waren weltweit Millionen von Schülerinnen und Schülern auf der Straße. Und damit nicht genug – Fridays for Future hat Unterstützende in unterschiedlichsten Gruppen gefunden. So gibt es inzwischen neben den Parents und den Scientists for Future auch die Artists und die Entrepreneurs for Future.

    Die Fridays for Future Bewegung fordert konkrete Veränderungen

    Konkret streiken Fridays for Future für die Umsetzung ihrer Forderungen. Diese wurden mit wissenschaftlicher Unterstützung entwickelt und sind auf ihrer Homepage zu finden. Die wichtigsten Forderungen für Deutschland sind, dass Deutschland bis 2035 Nettonull erreicht, bis 2030 aus der Kohlekraft aussteigt und bis 2035 die Energieversorgung komplett auf erneuerbare Energie umgestellt wurde.

    Neben der Unterstützung der Entwicklung der Forderungen, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch ihre eigene  Initiative „Scientists for Future“ gegründet. Über 26.000 Forschende unterzeichneten die Stellungnahme, die darauf hinweist, dass die bisherigen Maßnahmen zum Schutz von Klima und Biodiversität völlig unzureichend sind. In der Karlsruher Regionalgruppe sind auch Forschende von Quartier Zukunft und unseres Heimatinstituts, des ITAS, aktiv.

    Am 20. September streiken alle gemeinsam – weltweit!

    Am 20. September findet der globale Klimastreik statt, an dem alle gemeinsam auf die Straße gehen. In Karlsruhe beginnt der Streik um 11 Uhr am Friedrichsplatz. Auch das ITAS öffnet anlässlich dieses Ereignisses erneut seine Türen. Am Donnerstag, 19. September, und am Freitag, 20. September 2019, jeweils von 14 bis 17 Uhr, können sich Schülerinnen und Schüler, Studierende und alle Interessierten direkt mit Forschenden austauschen.

    ITAS for Future – Das Institut öffnet erneut seine Türen

    Kommt vorbei, alle sind eingeladen zum „Open ITAS“ bei dem Expertinnen und Experten für Technikfolgenabschätzung über ihre Arbeit informieren und sich der Diskussion stellen. Die Themen reichen von nachhaltiger Mobilität und Ernährung über Fragen der Energiewende bis hin zur Gestaltung lebenswerter Städte und Alternativen zur erdölbasierten Wirtschaft. Außerdem könnt ihr euren eigenen CO2 Fußabdruck ermitteln, euch Selbstexperimente überlegen und auch unsere Werkstatt für Demoplakate ist wieder dabei. Eine Anmeldung ist nicht nötig, lediglich bei Schulklassen und größeren Gruppen bitten wir um eine Ankündigung an jonas.moosmueller@kit.edu.

    Nach dem Streik geht’s weiter beim Park(ing) Day

    Im Anschluss an den Streik findet von 13 bis 18 Uhr der Park(ing) Day in der oberen Karlstraße statt. Der Aktionstag, der jedes Jahr am dritten Freitag im September stattfindet, weist darauf hin, dass die immer größer werdenden Autos dem öffentlichen Raum viel Fläche wegnehmen, die auch anders genutzt werden könnte. Auch ein Teil der „Open ITAS“ Angebote werden deshalb ab 14 Uhr auf der Parkfläche vor dem Institutsgebäude (Karlstraße 11) stattfinden.

    Warum unterstützt das Institut die Forderungen nach schnellen und umfassenden Maßnahmen zum Klimaschutz?

    „Das Anliegen der jungen Menschen ist absolut gerechtfertigt, es wird mit großem Engagement vorgetragen und steht auf einer soliden wissenschaftlichen Basis. Wir als Forschende wollen unser Wissen zur Verfügung stellen und so unserem Auftrag zur ‚Gesellschaftsberatung‘ nachkommen.“

    Armin Grunwald, Leiter des ITAS

    Es sind noch Fragen offen?

    Rückfragen beantwortet für das „ITAS for Future“-Team Jonas Moosmüller (jonas.moosmueller∂kit.edu; 0721 608 26796).

    Weiterlesen

    ITAS for Future

    Fridays for Future

    Scientists for Future

    Facebookveranstaltung  Park(ing) Day 2019

    Blogartikel Park(ing) Day 2017

  2. Ihr Zuhause ist ein Tiny House – Interview mit Nessa Elessar

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    Warum und wie baut man ein Tiny House? Lisa Koßmann, auf YouTube bekannt als Nessa vom Kanal „Nessa Elessar“, lebt seit Dezember 2018 in ihrem Tiny House auf 23m², das sie zum größten Teil selbst gebaut hat. Den Bauprozess hat sie dabei informativ und unterhaltsam in ihren Videos dokumentiert und ist so zu einer Expertin für das Thema Tiny House in Deutschland geworden. Jana von Quartier Zukunft hat Lisa und ihr Haus, das aktuell noch bei ihren Eltern im Hof steht, besucht und ihr ein paar Fragen gestellt. Viel Spaß beim Lesen des Interviews!

    Was macht ein Tiny House zum Tiny House?

    Eine richtige Definition gibt es so noch nicht. In den USA wurde nun aus baurechtlichen Gründen eine erstellt, aber in Deutschland gibt es noch keine. Meistens spricht man davon, dass sie unter 50qm Wohnfläche haben. Bei den stationären Tiny Houses gibt es da schon einige, die 30-40qm Wohnfläche haben. Die meisten, gerade die auf Rädern, haben so wie meines etwa 25qm.

    Warum hast du dich entschieden ein Tiny House zu kaufen bzw. zu bauen?

    Ich war damals auf Wohnungssuche und habe festgestellt, dass ich mir nichts leisten konnte, wo ich wirklich leben wollte. Ich habe mir dann überlegt, wie ich langfristig leben möchte und ich mir meine berufliche Zukunft vorstelle. Schon damals war mir klar, dass ich nicht nur, um eine Wohnung zu finanzieren, unglaublich viel arbeiten möchte, sondern nur so viel, wie mir selbst guttut, und auch in einem Bereich, der mir guttut. Daher habe ich mich dann entschlossen, einmalig mehr auszugeben, um langfristig weniger zu bezahlen. Der Stellplatz, den ich jetzt in Aussicht habe, wird mich im Monat etwa 250€ kosten plus Wasser, Strom und so was. Das ist aber auch am oberen Limit, was so ein Stellplatz in der Regel kostet, und dennoch deutlich weniger als die Kaltmiete der meisten Wohnungen. Es handelt sich dabei um zukünftige Baugrundstücke, die nun erschlossen und dann erst mal für einige Jahre als Tiny House Stellplätze genutzt werden sollen.

    Was kostet ein Tiny House? Ist es deutlich günstiger ein Tiny House zu kaufen im Vergleich zu einer kleinen Wohnung?

    Das Tiny House wird nicht zentral in einer Großstadt, sondern eher am Rand oder in einer Kleinstadt stehen, daher kann man auch nur diese Preise vergleichen. In Größe eines Tiny Houses gibt es allerdings keine Wohnungen. Bei meinem Haus habe ich sehr viel selbst gebaut, das hat mich 35.000€ und viele Arbeitsstunden gekostet. Genau das war ja auch die Idee, dass ich dabei einiges lerne. Voll ausgestattet beim Hersteller gekauft kostet so ein Haus zwischen 50.000€ und 70.000€. Also immer noch günstiger als eine Wohnung in der Regel. Und man kann es beim Umziehen mitnehmen.

    Du hast dein Tiny House zu einem großen Teil bei deinen Eltern mithilfe der dort vorhandenen Werkstatt gebaut – gibt es eine Alternative für Menschen, die so eine Werkstatt nicht zur Verfügung haben?

    Den Rohbau haben auf einem gemieteten Platz beim Hersteller gebaut. Das wäre bei meinen Eltern auch deutlich umständlicher gewesen. Wenn man nicht zuhause bauen kann, kann man den Platz beim Hersteller auch länger nutzen, das wäre dann eben entsprechend teurer geworden. Aber ja, man braucht den Platz und Leute, die einem helfen können.

    Wie ist das, wenn du dich irgendwann entscheidest mit Partner oder Familie zusammenzuziehen?

    Das muss man sich natürlich im Vorhinein ein bisschen überlegen. Im Moment finde ich es gut, dass, auch wenn man in einer Partnerschaft ist, beide Partner einen Raum haben, in den sie sich zurückziehen können. Das sieht natürlich nicht jeder so und das kann sich auch bei mir wieder ändern. Kinder möchte ich keine. Andere machen es dann so, dass sie sich nochmal ein zweites bauen. Wenn sie Kinder bekommen, bekommen diese dann unter Umständen auch ihren eigenen Raum, das ist dann flexibel. Viele wird das Haus nicht über das ganze Leben begleiten. Nicht, weil das Haus nicht dafür gemacht ist, sondern weil sich Bedürfnisse ändern. Für mehrere Leute auf Dauer ist dieses Haus auf jeden Fall zu klein.

    Wie schätzt du Tiny Houses im Vergleich zu kleinen Wohnungen in Bezug auf Nachhaltigkeit ein? Einerseits punkten sie durch einen geringen Flächenverbrauch und eine kleine pro Kopf Wohnfläche, andererseits lassen sie sich nicht stapeln, sind weniger gedämmt und haben keine direkten Nachbarn, die Wärmeverluste verringern. Wo siehst du da die Vor- und Nachteile?

    Ja, es gibt definitiv zwei Seiten. Es stimmt, die Tiny Houses sind nicht stapelbar, aber sie sind auch nicht für die Großstadt gemacht. Wenn man in die Großstadt möchte, muss man auch in Kauf nehmen, dass man auf sehr engem Raum mit anderen Leuten zusammenlebt, das geht gar nicht anders. Nach meinen ersten Erfahrungen sind die Wärmeverluste hier im Tiny House natürlich höher, das heißt pro Quadratmeter ist der Verbrauch recht hoch, jedoch relativiert sich das durch die winzige Grundfläche, sodass der Verbrauch am Ende nicht höher sein dürfte als in einer normalen Stadtwohnung. Am besten sind die Tiny Houses, die nicht auf einem 3,5 Tonnen Anhänger gebaut sind, sondern mehr wiegen dürfen. Die sind dann extrem gut gedämmt, da gibt es von den Dämmwerten her kaum noch Unterschiede zu anderen modernen Häusern. Das ist bei meinem Haus wegen des Gewichts nicht möglich gewesen. Wenn man nicht so sehr auf das Geld und den logistischen Mehraufwand beim Transport achten muss, kann man da noch mehr Wert drauflegen und das Haus auf einem Tieflader bauen. Der Vorteil an meinem Haus ist, dass es ein Trockenbau ist und ich demnach einzelne Komponenten wie die Dämmung einfach voneinander lösen und austauschen kann. Zudem war es nicht immer machbar auf das ökologischste Material zurückzugreifen, gerade wenn im Bauschritt an diesem Tag eine Entscheidung getroffen werden muss oder das entsprechende Material zunächst lange Transportwege hinter sich bringen müsste.

    Gibt es Projekte, bei denen Tiny Houses in der Stadt stehen und Fläche füllen, die nicht bebaut werden kann?

    Konkrete Beispiele kann ich dazu nicht nennen, aber es gibt Überlegungen in diese Richtung. Einige Städte und Städteplaner machen sich da bereits Gedanken. Es gibt zum Beispiel untertunnelte Flächen, die vom Gewicht her keine ganzen Häuser tragen sollen, die wären für so was geeignet. In einigen Städten wie Hannover und Dortmund sollen in Vierteln Flächen für Tiny Houses entstehen. Inwiefern das jetzt Gelände ist, das normalerweise nicht bebaut werden würde, weiß ich nicht, ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die Stadt privilegiertes Bauland dafür nimmt. So habe ich mir das auch von Beginn an vorgestellt, dass man Flächen nimmt, die sowieso vorhanden sind, die aber gerade nicht bebaut werden. Insofern ist es schon eine Form von Nachverdichtung, aber eben nicht in der Großstadt, weil da ist in der Regel nichts mehr unbebaut.

    Für welche Personengruppe ist ein Tiny House das Richtige und wem würdest du eher davon abraten?

    Was ich immer wieder feststelle ist, dass es für sehr unterschiedliche Personengruppen interessant ist. Für manche ist es eben leichter machbar als für andere. Zum Beispiel Studierende, die gerade anfangen zu studieren und weder Ersparnisse noch Zugang zu einer Werkstatt haben, für diese wird es schwer, das finanziell zu stemmen. Oft sind es auch Personen, von denen man es nicht erwarten würde. Zum Beispiel ältere, alleinstehende Personen, die eigentlich ein Haus haben, aber denen es zu groß ist, weil sie mittlerweile allein sind. Sie möchten dann übersichtlicher leben und können sich das Tiny House durch die Vermietung des großen Hauses finanzieren. Also die Interessenten sind recht bunt gemischt. Letztlich ist es eben die Frage, ob man mit dem geringen Raum gut klarkommt und das hat vor allem mit den eigenen Lebensgewohnheiten zu tun.

    Würdest du die Entscheidung wieder so treffen?

    Mit dem heutigen Wissen würde ich den Grundaufbau so machen, dass ich mehr Dämmung haben kann, da ich darin den großen Nachteil des Leichtbaus sehe. Das, was ich mir hier drinnen geschaffen habe, würde ich genauso wieder machen. Die Raumaufteilung ist über so einen langen Zeitraum entstanden und ich habe mir immer wieder überlegt, wie ich das im Alltag nutzen möchte. Die Entscheidung, ein Tiny House zu bauen, war eine der besten Entscheidungen meines Lebens, denn das hat so vieles ins Rollen gebracht und so viele neue Erfahrungen gebracht, das würde ich auf jeden Fall wieder machen.

    Vielen Dank, Lisa, für das Interview!


    Treffen des Vereins Tiny Houses für Karlsruhe

    Du interessierst dich für alternative Wohnformen wie Tiny Houses und verspürst den Wunsch mehr miteinander als nebeneinander her zu leben? Egal, ob Kleinraumwohnen mit oder ohne Räder – der Verein „Tiny Houses für Karlsruhe“ ist eine Anlaufstelle, um Gleichgesinnte zu treffen. Der Stammtisch trifft sich jeden letzten Dienstag im Monat um 19 Uhr im Zukunftsraum.


    Zum Weiterlesen

    www.nessaelessar.com

    YouTube Kanal „Nessa Elessar“

    Verein Tiny Houses für Karlsruhe

  3. Sommer, Sonne, Lesehunger – mit einem guten Buch in die Sommerpause

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    Die Hitze hat Karlsruhe fest im Griff, die Sommerferien beginnen und es kommt Urlaubsstimmung auf. Bevor auch wir in die Sommerpause gehen, haben wir noch die Quartier Zukunft Empfehlungen für die Urlaubslektüre 2019 für euch! Dieser Blogartikel ist ein Gemeinschaftswerk, denn jede Buchempfehlung stammt von einem Teammitglied.

    Kurz vorweg: Vom 5. bis zum 30. August macht das Quartier Zukunft Team Sommerpause. In dieser Zeit gönnen wir uns eine Auszeit zum Entschleunigen und Kräfte sammeln. Unsere Kommunikation nach außen ruht und das Team ist nur begrenzt erreichbar. Auch der Zukunftsraum ist in diesem Zeitraum geschlossen. Über unseren Kalender könnt ihr natürlich trotzdem über aktuelle Veranstaltungen auf dem Laufenden bleiben.

    Jetzt geht es los mit unseren Buchempfehlungen. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen und einen tollen Sommer!


     

    Die Reise zum Mittelpunkt der Erde von Jules Verne

    Empfehlung von Marius Albiez

    Ein Klassiker, den es lohnt, mal wieder aus dem Regal zu ziehen: Jules Verne – Die Reise zum Mittelpunkt der Erde. Zunächst fällt die etwas aus der Zeit gefallene Sprache auf, die eine angenehm entschleunigende Wirkung hat, ohne langweilig zu sein. Insbesondere das Wissenschaftsbild, welches Jules Verne zeichnet, ist die Lektüre wert: Da werden Expeditionen tief hinab in die entlegensten Gegenden unseres Planeten unternommen ganz ohne Publikationsdruck oder Dienstreiseanträge. Besonders empfehlenswert ist das Werk für transformativ Forschende, die sich ja bestens mit planarmen Kontexten auskennen und gerne auch einfach „mal Loslegen“ – oder wie der Hauptprotagonist ausrufen würde: „Die Rückreise? Denkst du an Rückreise, ehe wir angekommen sind?“


     

    Zero Waste: Weniger Müll ist das neue Grün von Shia Su

    Empfehlung von Helena Trenks

    Müll, speziell Verpackungsmüll, ist ein großes, aktuelles Problem. Shia Su schafft es mit Freude und einer bei dem Thema unerwarteten Leichtigkeit Alternativen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man als Einzelperson etwas gegen den „Konsum“ von Verpackung tun kann. Anekdoten aus ihrem Alltag zeigen das es auch wirklich geht. Nutzt die Auszeit des Urlaubs für neue Vorsätze und lasst euch inspirieren!

     


     

    Und Nietzsche weinte von Irvin D. Yalom

    Empfehlung von Oliver Parodi

    Nicht nur für die Couch, auch für die Gartenliege und den Strandkorb bestens geeignet: Im Wien der Jahrhundertwende drängt die junge Russin Salomé den angesehenen Arzt Josef Breuer, Mitbegründer der Psychoanalyse, dem suizidgefährdeten Friedrich Nietzsche zu helfen und ihn von seiner zerstörerischen Obsession für sie zu kurieren. Eine Therapie, die für alle unerwartet verläuft. Ein brillanter Roman im Spiel mit Fiktion und Ideengeschichte, und eine Liebelei zwischen Philosophie, Wahnsinn, Weiblichkeit und Psychologie.


     

    Vier fürs Klima – Wie unsere Familie versucht, CO2-neutral zu leben von Petra Pinzler und Günther Wessel

    Empfehlung von Sarah Meyer-Soylu

    Das Buch erzählt die Geschichte einer vierköpfigen Familie aus Berlin, die versucht einen klimafreundlichen Lebensstil im Familienalltag umzusetzen. Angestoßen durch eine Schulhausaufgabe der Tochter, die die CO2-Bilanz der Familie aufstellen soll und zu einem sehr ernüchternden Ergebnis kommt, beschließt die Familie ein Jahr den Selbstversuch zu wagen und möglichst viel CO2 einzusparen. Da beide Eltern Journalisten sind, stürzen diese und auch die Kinder sich mit Eifer in die Recherche, Befragen Experten und begeben sich auf die Suche nach vor Ort verfügbaren Alternativen. Das Buch beschreibt ehrlich die Fallstricke, Unsicherheiten aber auch vielen schönen Erlebnisse dieser Reise und ist neben vielen vorhandenen Klimaratgebern eine angenehme Abwechslung und macht Lust auf eigene Nachahmung.


    MOMO von Michael Ende

    Empfehlung von Volker Stelzer

    Wieso immer etwas Neues? Manchmal hilft es auch ein Buch das wohl jeder schon einmal gelesen hat nochmal zur Hand zu nehmen. Ich finde es gibt kaum eine unterhaltsamere Lektüre, durch die einem die negativen Seiten der Hektik, des „Zeit-sparen-wollens“ und des übertriebenen materiellen Konsums so klar vor Augen geführt werden als in Momo.

    P.S. Da das Buch die meisten irgendwo im Schrank stehen haben, braucht es oft nicht mal neu gekauft zu werden 😉


     

    Die Logik des Misslingens von Dietrich Dörner

    Empfehlung von Lea Herfs

    In diesem Klassiker beschreibt Dietrich Dörner auf fesselnde Weise, warum wir Menschen oft (und oft mit den besten Absichten) schlechte bis verheerende Entscheidungen treffen und in welcher Weise unser Gehirn bzw. unsere gewohnten Denkmuster zur Falle werden, wenn es um komplexe Situationen geht. Sehr spannend ist zum Beispiel die Analyse, wie es zu der Katastrophe von Tschernobyl und dem dahinterstehenden „menschlichen Versagen“ kam – die Denkmuster, die hinter diesem Versagen stecken, kennt jeder von uns und man wird sie nach der Lektüre mit anderen Augen betrachten. Das Buch hilft, bessere und nachhaltigere Entscheidungen zu treffen und ist ein Muss für jeden, der „Großes“ anpacken will (denn in unserer Welt ist „Großes“ meistens auch komplex).

     

    Ismael von Daniel Quinn

    Empfehlung von Annika Fricke

    Ein Mensch und ein Gorilla geraten in ein philosophisches Gespräch über den Zustand der Welt und „Mutter Kultur“. Ein Buch mit moralischer Botschaft aber ohne erhobenen Zeigefinger.

    Zitat aus dem Buch: „Ihr seid die Gefangenen einer Zivilisation, die euch mehr oder weniger zwingt, die Welt zu zerstören, um zu leben.“


    Der Baron auf den Bäumen von Italo Calvino

    Empfehlung von Marielle Rüppel

    Das Buch spielt in Italien um 1800 und handelt von einem jungen Baron, der keine Lust mehr auf die seltsamen Manieren seiner adligen Familie hat. Er klettert also auf einen Baum – und kommt bis an sein Lebensende nicht mehr von den Bäumen herunter. Er baut sich sein Leben und seinen Alltag dort oben auf, und schafft es gleichzeitig, den Menschen auf dem Boden mit seiner Weisheit, Philosophie und Solidarität weiterzuhelfen. Wunderbar geschrieben und mit vielen versteckten Lektionen zum Umgang mit der Natur und der Menschen miteinander.

  4. „Was ist eigentlich ein Reallabor?“ – unser Erklärvideo ist da!

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    Der Begriff und das Konzept „Reallabor“ haben in den letzten Jahren eine beachtliche Karriere hingelegt. Erhält das Forschungsformat zunehmend Aufmerksamkeit, so ist es doch oftmals erläuterungsbedürftig. Dies haben wir im Quartier Zukunft, dem Karlsruher Transformationszentrum und Energietransformation im Dialog zum Anlass genommen, Konzeption und wichtige Elemente eines Reallabors in Form eines allgemeinverständlichen Erklärvideos darzustellen.

    Klimawandel, soziale Ungerechtigkeit, Artensterben: Wir müssen etwas tun und dabei mangelt es uns nicht an Wissen. Wie aber kommen wir vom Wissen zum Handeln? Genau hier setzen Reallabore als kooperative Experimentierräume an.

    Mit unserem Reallabor „Quartier Zukunft“ sind wir von Anfang an bei der Reallaborforschung dabei und seit 2015 in der Oststadt aktiv. Vor kurzem haben wir zudem gemeinsam mit dem Wuppertal Institut, der Leuphana Universität Lüneburg und Ecornet das Netzwerk Reallabore der Nachhaltigkeit gegründet. Unser Ziel ist es, Reallaborforschung sichtbarer und verständlicher zu machen.

    Das haben wir auch zum Anlass genommen, unser Reallaborverständnis in einem Erklärvideo kurz und verständlich aufzuarbeiten. Falls der Begriff für dich neu ist, du dich schon immer gefragt hast, was es damit auf sich hat oder du dein Wissen nochmal auffrischen willst, bist du hier genau richtig.

    Viel Spaß beim Anschauen!

  5. I’m still dreaming of a green christmas! Tipps für’s nachhaltige Feiern neu aufgelegt.

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    Nicht immer muss man etwas Neues kaufen, um einer geliebten Person an Weihnachten ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Und nicht immer muss man einen Blogartikel neu schreiben, um tolle Tipps für ein nachhaltiges Fest parat zu haben :). Entstanden vor zwei Jahren hat dieser Blogartikel nichts von seiner Aktualität eingebüßt und passt mit ein paar kleinen Ergänzungen auch noch 2018. Viel Spaß beim Lesen und Ausprobieren!

    Letztes Jahr zu Weihnachten: Opa hat die Weihnachtsgeschichte gelesen, es wurde„Stille Nacht“  gesungen, alle Geschenke wurden ausgepackt und bejubelt, die Kinder sind glücklich, pappsatt und müde. Eigentlich war’s ein schönes Fest. Und trotzdem: Etwas stört und stimmt nicht. Es ist der Müll auf dem Sofa, unter’m Baum, auf dem Boden, der Müll überall. Eine gigantisch große Landschaft aus Geschenkpapier. Schleifchen. Kärtchen. Goldbändern. Styropor. Verpackung. In diesem Moment fällt die Entscheidung: Nächstes Jahr wird alles anders. Wir wollen nicht mehr. I’m dreaming of a green christmas! Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, wie das geht: Weihnachten in nachhaltig.

    Winter 2018: Weil dieses Jahr zu Weihnachten ja alles anders, nachhaltiger werden soll, braucht es diesmal einen Plan. Denn eines wissen wir nur zu gut: Den größten Quatsch kauft man im Stress. Mal eben schnell ein Buch von der Spiegel-Bestsellerliste über die Rolle von Insekten bei der Aufklärung von Gewaltdelikten (wird schon gut sein). Eine CD von der Band, über deren Sänger die Freundin irgendwann mal gesagt hat, irgendwie sei der ja ganz süß. Das Glanzpapier mit den glücklichen Elch-Ehepaaren drauf, das praktischerweise im 1-Euro-Shop an Deiner Ziel-Straßenbahnhaltestelle feilgeboten wird.

    Im Netz trifft man auf genug Leute, denen es ähnlich geht: Sie sind nicht nur partiell angenervt von dem Verpackungswust, sondern von der weihnachtlichen Konsumlawine insgesamt. Kein Bock mehr auf immer mehr! Und sie überlegen sich Lösungen. Es gibt Blogs von MinimalistInnen, die Weihnachten gleich ganz absagen. Artikel von Leuten, die einfach gar nichts mehr schenken. Tipps von KonsumverweigererInnen, die an Weihnachten stundenlange Waldwanderungen machen, bloß, um der Geschenkeorgie zu entkommen. Puh. Nee. Weihnachten wollen wir ja schon. Aber halt anders!

    Wichteln statt Geschenke-Wust

    Los geht die Recherche! Auf einem Umweltportal wird die die gute alte „Wichtel“-Idee vorgeschlagen. Das funktioniert so: Im Bekannten- oder Verwandtenkreis wird im Vorfeld abgemacht (oder per Los bestimmt), wer wen beschenkt. Sprich: Ich ziehe Tante Lotte, meine Schwester Opa Werner. So gibt’s zu Weihnachten keine Materialschlacht, sondern Tante Lotte, Opa Werner und alle anderen bekommen jeweils EIN Geschenk. Das dann aber mit Zeit, Muße und Bedacht ausgewählt worden ist. Die Wichtel-Idee gefällt und kommt auf den „Green Christmas“-Zettel!

    Zeit statt Zeug

    Eine weitere interessante Idee ist „Zeit statt Zeug“.  Das ist ein Projekt, dass dazu ermutigen will, statt dem „fünften Schal, dem zehnten Parfum“ lieber Zeit zu verschenken.  „Nackenmassage statt Schal“, „Basteln statt bestellen“, „Stricken beibringen statt Pullover“ – es gibt Gutschein-Vorlagen mit professionellen Fotos, die man sich direkt selbst ausdrucken kann. Und auch die Möglichkeit, ganz eigene Ideen in ein schönes Layout zu fassen (denn JA, Küsse und Nackenmassagen sind nicht das Geschenk der Wahl für ALLE  Verwandten). Fazit: Egal, ob man nun tatsächlich die Gutscheinfunktion von „Zeit statt Zeug“ nutzen möchte oder nicht: Die Idee, einem lieben Menschen etwas von der eigenen Zeit zu schenken, ist vielleicht nicht neu, aber nötiger denn je. Check. Kommt auf die Liste!

    Gebrauchtes zum Fest: Ein No-Go wird salonfähig

    Will man aber doch lieber etwas „Handfestes“ schenken, so zeichnet sich im Netz ein neuer Nachhaltigkeitstrend ab: Gebrauchtes schenken! Lange Zeit ein No-Go und der Albtraum jedes Knigge-Connaisseurs, wird Secondhand, getragen von der Vintage- und Shabby-Chick-Welle, endlich auch an Weihnachten salonfähig. Eine schöne, handgestrickte Couchdecke vom Flohmarkt, Holzstühle mit Patina, aus dem Sperrmüll gerettet und frisch überzogen, eine alte Schreibtischlampe aus den 60ern – da ist so einiges denkbar. Aber auch das Zweithand-iPhone, bestellt bei Portalen wie „Backmarket“ oder bei Ebay ersteigert, landet bei einigen unter’m Baum.

    Für alle, dies ausprobieren möchten mit der Nicht-Neuware zu Weihnachten: Auf der Website des NachhaltigkeitsExperiments Second Future, dem Second-Hand-Label aus der Karlsruher Oststadt, könnt Ihr kostenlos Aufkleber und Aufnäher bestellen, die Eure gebrauchten Geschenke zum echten Statement machen.

    Geschenke einpacken: Natur schlägt Blingbling

    Hat man nun endlich alle Geschenke parat, kann’s ans Einpacken gehen. Und auch hier sind all jene im Vorteil, die einen gewissen Vorlauf in Sachen Nachhaltigkeit haben: Über’s Jahr gesammeltes Geschenkpapier („Nicht einfach aufreißen, Kind!“) lässt Dich mindestens einen Teil der Geschenke – Zack, zack! – aus dem Stand heraus ökologisch verpacken.

    Aber auch „normales“ Altpapier funktioniert an dieser Stelle gut: Zeitungspapier, verziert mit Tannenzapfen, getrockneten Orangenscheiben, einzelnen Zweigen, Zimtstangen, Origamisternen macht Deine vorweihnachtliche Verpackungsorgie gleichermaßen stylisch wie kompostierbar!

    Wer Altpapier aber partout nicht als weihnachtsfein durchgehen lassen will, kann natürlich auch auf Packpapier, die Königin des stilsicheren Understatements, zurückgreifen. Und bei neuem Geschenkpapier bleibt immerhin die Möglichkeit, auf den „blauen Engel“ zu achten, der Recyclingpapier ausweist. Ach, und wusstest Du schon: Faltest Du beim Geschenkeeinpacken sorgfältig, klappt’s auch ganz ohne Klebemittel wie Tesa. Bunte Wollfäden oder Bast machen dann Deine ökologischen Verpackungskünste perfekt! Auch ziemlich edel: Wer’s wie die JapanerInnen machen will, kann Geschenke in Stoff einwickeln. Geht einfach, sieht kunstvoll aus und heißt: Furoshiki. Sehr schick! Kommt auf die Liste!

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    Die japanische Einpackkunst „Furoshiki“. Schick, schick!

    Last but not least gibt es noch die Super-easy-super-fix-Variante für Mehrfacheltern, die es sofort auf meinen Zettel schaffte: Einen großen Sack für jeden. Alle Geschenke rein. Große Schleife drum. Reihum wird ausgepackt. Wir wünschen entspannte Weihnachten ;-)!

    Hohoho! Lass den Wald ins Haus!

    Weniger Blingbling und mehr Wald macht sich natürlich auch in Deinem Haus ziemlich gut: Orangenscheibenketten und Tannengrün am Regal oder ein Adventskranz ohne Plastikdeko sind zeitlos schön. Unterschiedliche, bereits im Haus vorhandene Kerzen machen das Ganze – eins, zwei, drei, vier – zum Unikat.

    Und der Baum? Da kannst Du richtig klotzen! Gleich notieren: Mit der Zickzack-Schere Bänder aus altem Stoff schneiden und zu Schleifen binden, echte Plätzchen, Papier- und Strohsterne dran, Kerzen aus Bienenwachs oder Stearin statt billiger Erdölprodukte auf die Zweige setzen. Die Elektrovariante: LED-Lichterkette statt Billigblinker.

    Hier gibt es auch noch eine coole Idee für alle Gold-und-Glitter-Freundinnen und Freunde: Trefft Euch doch einfach mal zum Plätzchenessen und Christbaumkugel- und Dekotausch! So kann man kreativ bleiben, ohne alle Jahre wieder alles neu zu kaufen. Unter welchen Bedingungen industriell gefertigter Weihnachtschmuck produziert wird, könnt Ihr übrigens hier lesen.

    adventskranz

    DIY-Adventskranz. Mehr Wald statt mehr Blingbling.

    Dein Tannenbaum? Ein Däne mit georgischem Migrationshintergrund!

    Naturmaterialien, Bänder, Plätzchen – den Baumschmuck ist also geklärt für dieses Jahr. Aber was ist eigentlich mit dem Christbaum selbst? In der Regel sind die Tannenbäume in den deutschen Wohnzimmern in Dänemark gewachsen, unter dem Einfluss von Pestiziden und Düngemitteln als Garanten für einwandfreien Wuchs. Zuvor wurden die Samen in Georgien unter lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen in vielen Metern Höhe von Arbeitern ohne Kletterausrüstung geerntet – der deutsche Durchschnittsweihnachtbaum ist so gesehen also eher ein Däne mit durchaus problematischem georgischem Migrationshintergrund. Überhaupt: Bäume absägen – kann das mit Nachhaltigkeit vereinbart werden? Mhm.

    Im Netz finden sich Leute, die auf den Baum an Weihnachten ganz verzichten oder einzelne Zweige zu Gabenbäumen drapieren. Und dann gibt es noch verschiedene Anbieter und Initiativen, die das Weihnachtsbaumgeschäft ökologischer und fairer machen wollen. Beim Bio-Weihnachtsbaumversand gibt‘s zum Beispiel gesägte Bio-Nordmanntanne aus deutscher Herkunft. Bei „Fairtrees“ kann man dänische Tannen kaufen, deren Zapfen in Georgien unter fairen, sicheren Bedingungen geerntet wurden. Und auf der Website von Robin Wood werden Biobaum-Verkaufsstellen von Tannen aus der Region gelistet. Fairtrees kannst Du übrigens in Gaggenau, Pforzheim und Bretten kaufen. Biobäume bekommst du bei der Bauhauskette Baumarkt in der Oststadt. Immerhin „von hier“ sind die konventionell gezogenen Bäume, die man gemeinsam mit den FörsterInnen zu bestimmten Terminen in den Wäldern rund um Karlsruhe schlagen kann. Und noch mehr Infos rund um den „grünen“ Baum gibt’s bei Utopia.

    Von einem grünen Weihnachtsfest kann man träumen. Oder es einfach ausprobieren.

    Am Ende des Recherchetags zum Thema „Grüne Weihnachten“ stehen jede Menge Ideen auf unserem Zettel und es summt im Kopf. Da sind noch so viele Fragen! Nachhaltiges Weihnachtsessen, was passt da zu uns? Biofleisch? Fleisch vom Metzger? Lieber gleich vegetarisch? Oder gar vegan? Wie die Verwandten überzeugen, zurückhaltend und mit Bedacht zu schenken – ohne sie zu kränken? Baum ja – oder nein? Und wenn – woher? Wie untrennbar sind Weihnachten und das wohlige Gefühl dabei eigentlich mit Konsum verbunden?

    Es ibt wohl keine Patentlösung für ein nachhaltiges Weihnachten . Nur Möglichkeiten. Ideen. Versuche. Aber zuversichtlich sind wir trotzdem, I’m dreaming of a green christmas. Und außerdem werde ich’s einfach ausprobieren.Merken

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  6. Wir und unsere Dinge. Von VerbraucherInnen zu GebraucherInnen unserer Produkte?

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    Jeder in Europa lebende Mensch besitzt durchschnittlich 10 000 Gegenstände – Tendenz steigend. Antje Di Foglio aus dem Quartier Zukunft-Team ist Produktdesignerin und beschäftigt sich seit Jahren mit dem Altern von Dingen. Sie hat eine nachhaltige Vision: Lasst uns wieder zu GebraucherInnen unserer Produkte werden.

    Der kleine Jonas nimmt in der ersten Woche ohne Mama sein Kuscheltier mit in den Kindergarten. Opa Karl weigert sich mit Händen und Füßen dagegen, den alten, zerschlissenen Läufer im Flur wegzuwerfen. Die Dinge und wir – da ist doch etwas zwischen uns, eine Beziehung, eine Verbindung, ein Knistern.

    kuscheltier

    Wenn wir und unsere Dinge eine gemeinsame Geschichten haben: Die Besitzerin dieses Eisbären ist 25 Jahre alt. Foto: Antje Di Foglio.

    Tatsächlich sind die Sachen, mit denen wir uns umgeben, mehr als bloße Gebrauchsgegenstände. Der Schrank im Schlafzimmer, meine Jeans, die Wände meines Elternhauses, die kleine Mauer im Garten: Unsere Dinge sind Identitäts- und Ankerpunkte in der Welt und helfen uns dabei, uns selbst zu verorten. Wer bin ich und wo befinde ich mich gerade? Wir können uns durch sie ausdrücken, finden an ihnen Halt. Aber was, wenn die Dinge in unserem Leben immer mehr werden? Und wir sie immer schneller ersetzen, austauschen, wegwerfen, neu kaufen? Was tut das mit uns und unserer Welt?

    Dinge werden hergestellt, um verbraucht zu werden

    „Heutzutage werden Dinge hergestellt, um verbraucht zu werden“, stellt Antje, die an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe studiert hat, fest. Während klassische Materialien wie Holz, Metall, Porzellan, Leder, Leinen in Würde altern und Generationen überleben können, würden heute hauptsächlich Stoffe verwendet, die mit der Zeit unansehnlich und schadhaft werden. Shirts aus Polyacryl, Sideboards aus Pressspan, das Sofa aus Kunstleder: „Diese Materialien altern nicht. Sie gehen kaputt.“

    Dahinter stehe einerseits ein Wirtschaftssystem, das auf „geplante Obsoleszenz“, also den eingebauten Defekt in Produkten, setze, so Antje. Und andererseits ein längst verinnerlichtes, westliches Konzept von Ästhetik. „Das ist das hellenistische Weltbild, in dessen Tradition wir stehen und uns bewegen“, erzählt sie. „Es geht immer um Perfektion und um Jugend! Produkte heute sollen schön, glänzend, makellos sein. Es geht um die persönliche Optimierung durch‘s Mehr-machen und Mehr-kaufen.“ Schön, das bedeutet neu. Und was nicht mehr neu ist, das kann weg.

    Wabisabi statt alles neu

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    Vergänglichkeit in Gold: Die japanische Technik Kintsugi. Foto: Wikipedia.

    Eine alternative Sehgewohnheit, Ästhetiklehre, Philosophie hat Antje in Japan entdeckt: „Wabisabi“ heißt sie und integriert das Altern, das Unperfekte, Unvollständige und Vergängliche, findet Schönheit darin. Ein Holzboden mit tiefen Kerben von der jahrzehntelangen Benutzung durch eine Familie. Eine kunstvoll, aber sichtbar ausgebesserte Jacke. Ein kaputter Porzellanteller, den man unter Zuhilfenahme von flüssigem Gold wieder zusammengefügt hat. „ Bei Wabisabi geht es um Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit“, sagt Antje. Den Dingen ist es erlaubt, eine Geschichte zu erzählen. Man darf ihnen ansehen, dass sie in Gebrauch sind, gebraucht werden und mit ihren Menschen zusammenleben.

    „Die armen Wichtel von Yiwu“

    Tatsache ist: In den letzten hundert Jahren ist unsere Bindung an die Dinge verloren gegangen durch die Trennung zwischen Herstellung und dem Konsum von Produkten, zwischen den HandwerkerInnen, ArbeiterInnen und Kaufenden. Ein weltweites Phänomen, das Billiglohnländer zur Textilfabrik und Werkbank des Westens gemacht hat: Bizarre Berühmtheit erlangt haben etwa die Weinachtsdörfer in der chinesischen Provinz Yiwu. Zwei Drittel allen Weihnachtsschmucks stammt von dort. Ohne zu wissen, was sie da eigentlich herstellen, arbeiten Wanderarbeiter dort im Akkord für Hungerlöhne; „ die armen Wichtel von Yiwu“, nannte die FAZ die hier beschäftigten Menschen. Und veröffentlichte Fotos des chinesischen Fotografen Chen Ronghui, der einen Vater und seinen Sohn während der Arbeit abgelichetet hat – in roter Farbe und Chemikalien stehend, die Köpfe notdürftig geschützt durch Weihnachtsmannmützen.

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    Weihnachtsmützen wie diese kommen fast immer aus der chinesischen Provinz Yiwu.

    Ist Yiwu überall? Vielleicht kann man es als Sinnbild sehen für die Beziehungslosigkeit, in die wir zu unseren Dingen geraten sind. Und die vergiftete, fernöstliche Weihnachtsidylle führt uns die Auswirkungen dieser Abkoppelung deutlich vor Augen: Mensch und Umwelt werden ausgebeutet für Produkte, die nicht gekommen sind, um zu bleiben. Alle Jahre wieder enden sie auf der Müllkippe. Alle Jahre wieder kaufen wir sie neu.

    Von VerbraucherInnen zu GebraucherInnen?

    Aber: Was kann man als VerbraucherIn tun? Und welches Potenzial für Veränderung liegt im Selbstverständnis der Produzierenden? Antje jedenfalls sieht hier beide Seite in der Verantwortung – und glaubt daran, dass ein Wandel möglich ist. „Wir als GestalterInnen agieren in einem komplexen und weitverzweigten Spannungsfeld und besitzen eine große soziale und moralische Verantwortung, der wir uns nicht entziehen sollten, nicht entziehen dürfen. Wir GestalterInnen arbeiten ja eigentlich  für Menschen und an Beziehungen, geben Halt in einer chaotischen Welt durch unsere ästhetische Ordnung der Dinge. Produkte müssen nachhaltiger, ökologischer, menschenfreundlicher werden. Es darf keine Gestaltung um der Gestaltung Willen geben.“ Was würde passieren, wenn wir Dinge wieder mit Respekt betrachten, die Arbeit und Sorgfalt der HerstellerInnen anerkennen und achten? Wenn wir uns mit Dingen umgeben, die mit uns altern und leben dürfen – würden wir dann nicht erkennen, dass man gar nicht so viel Neues braucht?

    „Mit welchen Dingen lebe ich gerne zusammen? Mit welchen Dingen verbindet mich etwas? Das könnte man sich selbst einmal fragen“, sagt Antje. „Wer so einkaufen geht, wird auch Dinge zu sich nehmen, die er mehr wertschätzt und liebt und mit denen er langfristig zusammenleben will.“ KonsumentInnen, so glaubt sie, suchten zunehmend nach dem Echten, Wahrhaftigen, nach Authentizität und Sinn. „Die Ressourcen gehen zur Neige, in wenigen Jahrzehnten werden die Erdölvorkommen erschöpft sein. Es wird sich ein neues Verständnis des Konsumenten herausbilden. Vielleicht könnte man es so sagen: Wir müssen von VerbraucherInnen zu GebraucherInnen unserer Dinge werden.“

     

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    Antje Di Foglio hat an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe Produktdesign studiert. In ihrer Diplomarbeit „Spuren der Zeit“ hat sie sich mit den Beziehungen und Emotionen beschäftigt, die Menschen mit Produkten eingehen – und ihrer Bedeutung für Kultur und Gesellschaft. Die Arbeit liegt in gebundener Form im Zukunftsraum aus – Ihr dürft gerne reinlesen!

    Bei Quartier Zukunft möchte Antje den Menschen und BürgerInnen Wege zeigen, wie man schon im Kleinen aktiv eine Veränderung für sich und andere bewirken und Konsum anders gestalten kann. Wir finden nämlich: Kaufen hat eine Wirkung – auf Mitwelt, Umwelt, Nachwelt und uns selbst. Im neuen Jahr wollen wir dazu beitragen, Konsum bewusst, nachhaltig und lokaler zu gestalten und an Kulturtechniken wie Reparatur und Tausch erinnern. Gemeinsam mit Euch wollen wir uns Gedanken darüber machen, wie nachhaltiger Konsum in der Karlsruher Oststadt aussehen könnte. Hier auf unserer Website, Facebook & Twitter halten wir Euch auf dem Laufenden!

     

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  7. Zero Waste – null Bock auf Müll

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    Zero Waste – ein Begriff geistert seit geraumer Zeit durch die sozialen Netzwerke und Zero Waste-Blogs sprießen wie Pilze aus dem Boden. Aber was meint der trendige Begriff eigentlich genau? Wir waren im Netz unterwegs und haben Euch Infos über eine Bewegung mitgebracht, die im Internet ihren Anfang genommen hat und längst „viral geht“. Über Länder- und Kontinentgrenzen hinweg denken junge Menschen über ihre Lebensweise nach und werfen bemerkenswert viel Engagement und Kreativität in die Waagschale bei dem Versuch, Nachwelt und Planet so wenig Müll wie möglich zu hinterlassen.

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     Zero Waste around the world

    Shia aus Bochum wäscht sich die Haare mit einem Gemisch aus Wasser und Roggenmehl. Bea aus Mill Valey, Kalifornien, putzt sich die Zähne mit einem Zahnpulver, das sie selbst aus Natron und Stevia herstellt. Olga aus Köln und ihre Familie benutzen statt Klopapier eine „Popobrause“, die an den Wasserhahn des Waschbeckens angeschlossen werden kann. Und Natasha aus Kapstadt, Südafrika, geht nie zum Bäcker ohne ihren Brotbeutel. Was Zero Waste-BloggerInnen weltweit gemeinsam haben ist: null Bock auf Verpackungen, null Bock auf Plastik, null Bock auf Müll.

    Eine Utopie wird zum Lifestyle

    Aber jetzt mal ehrlich: „Null Müll“ – wie soll das funktionieren? Tatsächlich ist Zero Waste gegenwärtig ein Ideal, eine Utopie und die Zero-Waste-Bewegung der Versuch einer Annährung ans Null-Müll-Ziel. „Zero Waste“ meint also eher eine Einstellung als eine wörtlich gemeinte Praxis, eine Art Lifestyle, eine neue, nachhaltige Art der Lebensführung. Und die Zero Waste-PraktikerInnen? Sie sind sowas wie die PionierInnen einer ganz neuen, unglaublich einfallsreichen Dimension der Müllvermeidung.

    Sechsmal „R“

    Refuse, reduce, reuse, repair, recycle, rot – auf Deutsch: zurückweisen, reduzieren, wiederverwerten, reparieren, recyceln, kompostieren – sind dabei die sechs goldenen Regeln der Zero Waste-Bewegung. Wir haben das mal für Euch zusammengefasst:

    Refuse: Das Mülleinsparen fängt für Zero-Waste-AnhängerInnen bereits im Geschäft an und erfordert vor allem das nicht immer einfache Einüben des Neinsagens: Neinsagen zur Plastiktüte, zum Werbegeschenk, zum Hochglanzwerbeflyer und dem kleinen Plastikspielzeug aus der Apotheke mit der Lebensdauer einer nicht mehr allzu rüstigen Eintagsfliege.

    Reduce: Was brauche ich wirklich? Bewusster (Nicht-)Konsum spart Müll, schafft Übersicht und Platz für die wirklich wichtigen Dinge im Leben, glauben die Zero-Waste-ExpertInnen.

    Reuse: Secondhand statt Fast Fashion, Pfandgläser statt PET, Menstruationstasse aus Silikon statt Wegwerfbinden, Stoffwindeln statt Pampers: Zero-Waste setzt auf Wiederverwertbares statt auf Cradle-to-Grave-Produkte.

    Repair: Reparieren statt Kaufen bedeutet natürlich auch: Reparieren statt Wegwerfen. Ergo: Weniger Müll! Übrigens: Reparieren und Spaßhaben kann man prima verbinden; zum Beispiel bei unserem ReparaturCafé in der Karlsruher Oststadt ;-).

    Recycle: Wertstoffe wie Papier, Plastik, Metall, Holz und Glas recyceln! Die gute alte Mülltrennung gehört natürlich auch bei Zero Waste dazu.

    Rot: Essens- und Gartenabfälle sind kompostierbar und sollten nicht auf der Müllkippe landen. Wer keine Biotonne hat oder mal was wagen möchte, kann sich sogar auf dem Balkon mittels einer witzigen Wurmkiste selbst darin versuchen, aus Küchenabfällen mit der Hilfe der kleinen, buddelfreudigen Tierchen Blumenerde herzustellen.

    Abschied von „immer so gemacht“

    Zero Waste ist eine Bewegung, bei der jedeR mitmachen kann und die kreativ statt dogmatisch versucht, eine Kultur der Nachhaltigkeit ganz praktisch voranzubringen. Neugierig wird „das haben wir doch schon immer so gemacht!“ hinterfragt und neue Strategien einfach ausprobiert. Das, was man dabei gelernt hat, wird prompt an die Netzgemeinde weitergegeben. Weil Zero Waste auch viel mit Do-it-yourself zu tun hat, gelingt dabei natürlich nicht alles auf Anhieb und so manche Idee hat Ihre Kinderkrankheiten. „Habe jetzt dein Rezept für selbstgemachtes Spülmittel ausprobiert. Leider geliert es so heftig, dass ich es nicht mal aus der Flasche herausgequetscht bekomme“, schreibt eine Userin in der Kommentarleiste eines Zero Waste-Blogs. Manchmal kann es aber auch ganz einfach sein – zum Beispiel, wenn es gar keine Null-Müll-Alternative braucht: „Bei der Zero Waste-Umstellung fing ich an zu recherchieren und stieß darauf, dass Wattestäbchen sogar schaden!“, schreibt Bloggerin Shia auf ihrem Blog „wastelandrebel“ zum Thema Q-Tipps. „Sie können das Trommelfell verletzen und statt das Ohr zu reinigen, schiebt man damit nur das Ohrenschmalz sowie andere Verschmutzungen tiefer in das Ohr, was zur Bildung eines Propfens vor dem Trommelfell führen kann!“ Q-Tipps gibt’s im Bad von Shia jetzt einfach nicht mehr. „R“ wie „Reduce“.

    Probiert doch auch mal Zero Waste-Ideen im eigenen Alltag aus! Wenn Ihr mehr wissen wollt über die junge Bewegung und neugierig seid auf kreative Anti-Müll-Strategien, seid Ihr auf diesen Blogs richtig:

    www.zerowastefamilie.de

    www.zerowastelifestyle.de

    www.zerowastehome.com

    www.zerowastemunich.com

    www.wastelandrebel.com

    www.trashisfortossers.com

     

    Und hier findet Ihr noch mehr Zero-Waste-Bloggerinnen – weltweit:

    http://wastelandrebel.com/de/zero-waste-bloggers/

     

    Bücher über Zero Waste und Müllvermeidung gibt’s natürlich auch, zum Beispiel diese hier:

    Shia Su: Zero Waste. Weniger Müll ist das neue Grün

    Bea Johnson: Glücklich leben ohne Müll!

    Anneliese Bunk, Nadine Schubert: Besser leben ohne Plastik

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  8. Schwing mit der Welt! Der Soziologe Hartmut Rosa über Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Auswege aus der Beschleunigungskrise

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    Schneller, höher, weiter, verdammt zum ewigen Dynamischsein: Hat die kapitalistische Steigerungslogik uns zunächst Wohlstand, Frieden und Demokratie gebracht, strampelt die Wachstumsgesellschaft heute maximalbeschleunigt und seelisch ausgebrannt der großen Krise entgegen. Für den Soziologen Hartmut Rosa ist die Ursache unseres Scheiterns Entfremdung, die er denkt als eine zunehmende Beziehungslosigkeit zur Welt. Aber vielleicht ist der Hoffnungsfunke ja die menschliche Begabung zu knisternder Resonanz… Wir haben mit dem Zeittheoretiker für Dein NachhaltigkeitsExperiment über Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Auswege aus der Beschleunigungskrise gesprochen.


    © juergen-bauer.com

    © juergen-bauer.com

    Warum ist die Wachstumsgesellschaft so eine grandiose Versagerin, wenn es um Gemeinschaft geht? Und warum klappt’s bei ihr partout nicht mit der Nachhaltigkeit? Für Hartmut Rosa sind das Symptombilder ein und derselben Krankheit, nämlich der jeden Lebensbereich erfassenden, sozialen Beschleunigung.

    Und die ist ihrerseits eng verwoben mit unserem wachstumsbasierten Wirtschaftssystem: Während wir durch unser Leben rasen mit dem Ziel, den Wachstumsmotor auf Teufel-komm-raus am Laufen zu halten, sind uns Welt und Mitmenschen zur reinen Ressource geworden. Wir rennen, rennen, rennen – und „Entschleunigungsoasen“ wie Yogastunde, Urlaub oder Weihnachten dienen lediglich dazu, uns fit zu kriegen für die nächste Beschleunigungsrunde.

    Auf der Strecke bleibt für Rosa dabei die Resonanz, das heißt das empathische „Mitschwingen“, der lebendige Austausch, die Verbindung zwischen dem Einzelnen und seiner Welt. Wir können uns die Dinge, Menschen und  Handlungen, die uns umgeben, nicht mehr „anverwandeln“  – und bleiben leer und entfremdet zurück. Sind wir zu schnell geworden, um uns von etwas berühren zu lassen, mitzuschwingen, empathisch gestimmt und glücklich zu sein? Antwortet uns die Welt nicht mehr? Hartmut Rosa denkt: ja.

    Trotzdem gibt es die Hoffnung, durch resonanzsensibles Fühlen und Handeln etwas zu ändern, die Welt zum Sprechen zu bringen und ihr auch wieder antworten zu können. Schwing mit der Welt! Sollte uns Resonanz gelingen, sind für Hartmut Rosa Gemeinschaft und nachhaltiges Handeln nicht nur denkbar – sondern die logische Konsequenz.

     

    Quartier Zukunft: Herr Rosa, Quartier Zukunft möchte mit „Dein NachhaltigkeitsExperiment“ Gemeinschaft und Entschleunigung in der Karlsruher Oststadt voranbringen. Was bedeuten denn in Ihren Augen Gemeinschaft und Entschleunigung für das Individuum, die Gesellschaft, für so etwas wie das „gute Leben“?

    Rosa: Da gibt es tatsächlich einen engen Zusammenhang zwischen Entschleunigung und Gemeinschaft, wobei mir da wirklich wichtig ist, deutlich zu machen, dass ich kein Entschleunigungspapst oder Entschleunigungsguru oder so etwas bin. Und ich glaube sogar, wenn Sie so einen Wettbewerb ausschreiben oder wenn immer mehr Menschen von Entschleunigung träumen, dann geht’s ihnen ja nicht wirklich nur um Langsamkeit. Langsamkeit ist ja kein Selbstzweck. Ein langsamer Notarzt oder Feuerwehrwagen bringt nichts und eine langsame Achterbahn ist ehrlicherweise katastrophal, weil dann stürzt das Ding ab! Und eine langsame Internetverbindung ist auch nicht toll! Also: Wenn Menschen von Entschleunigung reden, dann meinen sie was anderes! Und ich glaube, was sie da eigentlich meinen, ist eine andere Art, oder die Möglichkeit auf andere Weise mit der Welt in Kontakt zu kommen.

    Anverwandlung heißt: mit der Welt schwingen, statt sie zu benutzen

    Die Entschleunigungsbewegung wird eigentlich getrieben von der Sehnsucht, auf andere Weise in der Welt zu sein. Das heißt anders – und die Hoffnung ist  meistens: intensiver – in Kontakt zu treten mit anderen Menschen, da haben Sie sozusagen den Gemeinschaftsaspekt, aber auch mit den Dingen, mit denen wir umgehen und mit dem Ort, an dem wir leben. Und dafür verwende ich den Begriff der „Anverwandlung“. Ich glaube, die Hoffnung und der Wunsch, der dahintersteht, wenn man „Entschleunigung“ sagt, liegt darin, sich Dinge so zu eigen machen zu können, dass sie einen berühren oder erreichen und dass man auch merkt, man verändert sich in der Auseinandersetzung damit. Man macht sie sich zu eigen nicht im Sinne von „Aneignung“(„Das habe ich jetzt auch noch bei mir im Schrank liegen, das habe ich abgehakt!“), sondern im Sinne einer Anverwandlung als etwas, das mich prägt, was mir was bedeutet, was mir etwas sagt.

    Die Heimat und das Stadtquartier als Weltausschnitt, der mir etwas sagt und der mich angeht

    Wenn man Gemeinschaft sagt, liegt ja, gerade wenn‘s um Stadt geht, der Heimatbegriff nahe. Und ich glaube, Heimat ist nicht einfach und schon gar nicht notwendig der Ort, von dem man herkommt – der kann oft ganz öde sein. Heimat, das ist ein anverwandelter Weltausschnitt, den man sich so zu eigen gemacht hat, dass er geradezu zu sprechen beginnt. Wir sagen dann ja auch: Das sagt mir was! Das spricht mich an! Und ich glaube, darum geht es. Und so bin ich auch dahin gekommen, zu sagen, das Problem mit der Beschleunigung ist nicht einfach die Geschwindigkeit – die ist in vielerlei Hinsicht sehr schön, die Erfahrung auch lustvoll – aber wenn wir so schnell handeln müssen und Räume so schnell durchqueren und sich die Nachbarn so schnell ändern, dass wir keine Chance mehr haben, sie uns in diesem Sinne anzuverwandeln, dann haben wir ein Problem damit. Und den Gegenbegriff zur Anverwandlung, oder zur Resonanz, den nenne ich Entfremdung, und diese kann natürlich auch dadurch entstehen, dass ich das Gefühl habe, ich habe überhaupt nichts mitzureden, mitzugestalten. Die Welt verändert sich um mich herum – vielleicht im Stadtteil oder in der Stadt – ohne dass die Veränderung irgendeinen Bezug zu mir hat, da tritt dann Entfremdung ins Spiel. Also ich glaube, getrieben wird die Entschleunigungsbewegung von dem, was ich Resonanzhoffnung nenne, oder das Verlangen nach Resonanz, dass wir uns die Dinge anverwandeln können. Und das umfasst eben auch eine spezifische Form der Sozialbeziehung. Gemeinschaft bedeutet nämlich, dass es uns gelingt, im Umgang miteinander so etwas wie Resonanzbeziehungen aufzubauen, dass wir das Gefühl haben, wir gehen einander etwas an, wir erreichen uns gegenseitig.

    Quartier Zukunft: Kann man Gemeinschaft und Entschleunigung eigentlich einüben? Also zum Beispiel im Zusammenhang mit unserer Quartiersarbeit – aber auch im Leben jedes Einzelnen? Glauben Sie, dass das möglich ist?

    Rosa: Nicht so einfach. Denn unser Zeitumgang und auch unsere Beziehungsformen hängen eben nicht nur am Einzelnen; wir sind immer eingebettet in zeitliche Strukturen oder auch in soziale Strukturen, die wir nicht alleine bestimmen können. Deshalb sind mir Ideologien suspekt, die sagen, ja, wenn Du nur die richtige Achtsamkeitstechnik hast oder von mir aus das richtige Zeitmanagement, dann klappt das schon. Und genau das klappt eben nicht. Was die meisten Menschen ja meinen mit Entschleunigung, ist, dass sie nicht so gehetzt sein wollen. Man hat heute bei den allermeisten Verrichtungen ja das Gefühl, dass man schon zu spät dran ist und dass man sich bitteschön beeilen soll. Zeitknappheit ist ein generelles Problem! Und das hat überhaupt nichts mit dem Tempo des Lebens zu tun. Das ist mir wirklich wichtig zu sagen! Dieses Gefühl, dass uns die Zeit knapp ist, hängt nicht von der Geschwindigkeit, mit der wir Dinge tun, ab, sondern: Zeitknappheit ist eine Empfindung, die entsteht, wenn es ein Missverhältnis gibt zwischen der Zeit, die wir brauchen, um die Dinge auf unserer To-do-Liste zu erledigen und der Zeit, die wir zur Verfügung haben.

    Wir sind nicht zu langsam, wir haben explodierende To-do-Listen

    Und daraus kann man lernen, dass diese Sache mit der Entschleunigung eigentlich nicht am Tempo, mit dem wir Dinge erledigen, liegt, obwohl wir immer denken, ich muss halt ein bisschen schneller werden, dann klappt’s schon. Genau das ist eine Illusion, weil die To-do-Liste schneller explodiert als unsere Zeitspartechniken wieder einsparen können. Aber diese To-do-Liste, die haben wir nicht alleine in der Hand. Die wird im Kollektiven, in Lebensformen und Institutionen geprägt, so dass man sehen kann: Es ist nicht unbedingt gar nichts, was man tun kann als Einzelner, aber es ist auch nicht so, dass man die Probleme einfach individuell lösen kann. Trotzdem glaube ich, wir können die Bereitschaft in uns fördern oder Bedingungen schaffen, die es uns möglich machen, in Resonanz zu treten. Von dieser Seite können wir auch anfangen, ein bisschen an uns zu arbeiten und ein bisschen wegsteuern sozusagen von der Effizienz und Steigerungsorientierung und hin zu einer Orientierung, die versucht, resonanzsensibel durch die Welt zu gehen.

    Quartier Zukunft: Und das wäre für Sie dann eine Form von „Einübung“? So können Sie sich vorstellen, dass das möglich wäre?

    Rosa: Ja. Genau genommen lautet ja meine neue, etwas veränderte Position: Wenn wir fragen, wie wir unsere Zeit verbringen, dann zielen wir eigentlich auf die Frage, wie wir unser Leben leben wollen oder umgekehrt. Und in allen diesen Hinsichten sind es eben zweiseitige Geschehnisse: Es gibt eine Weltseite, und die können wir nicht alleine verändern. Es gibt aber auch eine Subjektseite – und an der können wir beginnen zu arbeiten, indem wir versuchen, die Beziehung so zu gestalten, dass wir uns Dinge zur Heimat machen können, wenn Sie so wollen, dass Gemeinschaft entsteht, sodass wir diese Haltung einnehmen, die wir mit dem Begriff Entschleunigung verbinden.

    Quartier Zukunft: Sie haben ja jetzt von der Welt- und der Subjektseite gesprochen. Und das ist ja auch ein Thema, das gerade im Diskurs um Nachhaltigkeit immer wieder auftaucht. Also einmal, was kann ICH tun und was muss sozusagen GLOBAL getan werden. Was hat für Sie Entschleunigung mit Nachhaltigkeit zu tun? Hat das für Sie überhaupt etwas miteinander zu tun?

    Rosa: Ja, das hat schon etwas miteinander zu tun! Aufgrund solcher Fragen bin ich zu meinem Begriff der Weltbeziehung gekommen. Bei Nachhaltigkeit geht es ja wirklich um die Frage: Wie beziehen wir uns auf Welt, was machen wir damit? Und wir stellen fest, dass wir Natur vor allem als Ressource betrachten oder vor allem auch behandeln. Etwas, das wir nützen wollen. Und ich glaube, seit 200 Jahren, seit es die Moderne gibt, ist das unser kulturelles Programm: mehr Welt in Reichweite bringen. Sie sehen das ganz praktisch, wenn Sie sich beispielsweise das Transportwesen vor Augen führen. Also eigentlich geht das schon mit dem Fahrrad los, das auch eine moderne Erfindung ist: Wenn ich ein Fahrrad habe, habe ich noch das Nachbardorf in Reichweite und kann abends mal hinfahren. Und wenn ich ein Moped habe, kann ich schon in die nächste Stadt fahren, und wenn ich ein Flugzeug habe, kann ich nach London usw. Dieses In-Reichweite-bringen gilt für alle Hinsichten: Mit einem Smartphone zum Beispiel habe ich eben kommunikativ alle meine Freunde immer in Reichweite und das gesamte Weltwissen und alle Bücher. Also: Welt in Reichweite bringen ist der große Traum der Moderne, und die Natur wird uns dabei zu einer Ressource, die wir eben nützen. Und ich glaube, dieses In-Reichweite-bringen hängt ganz stark mit Aneignen statt Anverwandeln zusammen. Also: Dinge verfügbar machen.

    Ein schwer erklärbares Missverhältnis zwischen Umweltbewusstsein und Umwelthandeln

    Das Problem ist jetzt, dass wir seit langem ja ein unfassbares oder schwer erklärbares Missverhältnis finden zwischen dem Umweltbewusstsein und dem Umwelthandeln beobachten. Wir reden ja eigentlich seit dem Club of Rome-Bericht ununterbrochen von Nachhaltigkeit und verabschieden die tollsten Programme. Ich würde fast zynisch sagen: Bis jetzt, zur Pariser Klimakonferenz, wird immer wieder versprochen, dass wir jetzt mit der Nachhaltigkeit ernst machen. Aber wenn Sie sich die De-facto-Emissionen angucken oder das, was man ökologischen Fußabdruck nennt, dann stellen Sie fest: Es ist eigentlich egal, was wir sagen, das uns angeblich wichtig ist, und wie viele schöne Protokolle wir verabschieden, wir verschwenden immer mehr Ressourcen. Und das müssen wir irgendwie erklären: Woher kommt dieses Missverhältnis? Ich glaube, es kommt daher, dass wir da, wo wir ehrlich sagen, uns ist Natur wichtig, Nachhaltigkeit ist ein Wert für uns, letztlich diese Natur, unsere Umwelt als eine Resonanzsphäre konzeptualisieren oder auch wahrnehmen. Dass Natur etwas ist, das bewahrenswert ist, das zu uns in Beziehung tritt, das zu uns sogar sprechen kann oder sprechen sollte in gewisser Weise. Aber diese Haltung setzen wir nicht in unsere Praktiken um, weil wir in unserer Praxis Natur nur als Ressource betrachten und dabei dann sagen, wir müssen „Ressourcen schonen“.

    Es geht darum, die Welt zu uns in sprechende Beziehung zu setzen

    Und ich glaube, dieses Ressourcenschonen gelingt uns so nicht, wenn wir nicht dahin kommen, eine andere Beziehung zur Welt, zu den Tieren, zu den Pflanzen, zu unseren Wohnquartieren, zu den Stoffen aufzubauen. Diese Form von Beziehung müsste das sein, was ich mit dem Begriff einer Resonanzbeziehung zu beschreiben versuche. Dinge zum Sprechen bringen, sie nicht uns einfach aneignen im Sinne von verfügbar machen, sondern anverwandeln im Sinne von zu uns in eine sprechende Beziehung setzen. Wenn es uns gelingen würde, diese Art von Beziehung, die man mit dem Begriff der Gemeinschaft auf der sozialen Ebene durchaus fassen kann, wieder zu realisieren und zu beleben, dann glaube ich, dass es fast automatisch zu einem nachhaltigen Umgang mit Natur kommen würde.

    Quartier Zukunft: Herr Rosa – vielen Dank für das Gespräch. Und Ihre Zeit.

     

    Der Soziologe und  Politikwissenschaftler Hartmut Rosa lehrt Soziologie an der Universität Jena und ist Direktor des Max-Weber-Kollegs in Erfurt. Er beschäftigt sich mit sozialer Beschleunigung und ihren Folgen, ist Vordenker einer Soziologie der Weltbeziehung und denkt vor dem Hintergrund der vielfältigen Krisen unserer Wachstumsgesellschaft nach über die Möglichkeiten eines „Change by Design“ statt des drohenden „Change by Desaster“. Zuletzt ist bei Suhrkamp sein Buch „Resonanz: Eine Soziologie der Weltbeziehung“ erschienen.

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  9. Selber machen, selbst versorgen, Subsistenz! Quartier Zukunft lädt ein zu Pflanzentausch & Gartenflohmarkt

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    von Nikola Schnell und Helena Trenks

    Mehr Vielfalt in den eigenen Garten bringen, sich austauschen und vernetzen – darum geht’s bei der 1.Pflanzentauschbörse im Zukunftsraum in der Karlsruher Oststadt am 23.04.2016. Ableger, Setzlinge und Samen können hier von 11.00 bis 16:00 Uhr verschenkt oder getauscht werden. Zusätzlich wird es einen kleinen Gartenflohmarktbereich geben, in dem alles, was beim Gärtnern gebraucht wird  – etwa Fachliteratur, Töpfe oder Werkzeug – neue Besitzer finden kann. Die Idee dahinter: Selber machen, selbst versorgen, Subsistenz!

    Was haben die von Oma gestrickten Socken, die eingemachten Birnen aus Nachbars Schrebergarten und der selbst gezimmerte WG-Küchentisch miteinander zu tun? All das ist Ausdruck von Subsistenz, das heißt der Fähigkeit, sich selbst mit Gütern des täglichen Bedarfs versorgen zu können. Subsistenz muss dabei nicht reine Selbstversorgung sein; Tauschhandel und Verkauf von Überschuss ist möglich. Allerdings wird nicht primär für „den Markt“, das Erwirtschaften von Profit produziert. Im Mittelpunkt steht vielmehr das Genug-haben, das Ausreichend-versorgt-sein, kurz: das gute Leben. Während in unserem Alltag Ansätze von subsistenzorientiertem Leben und Wirtschaften etwa in der Do-it-yourself-Bewegung, der Schrebergärtnerei oder der relativ neuen Praxis des Urban-Gardening zu finden sind, war Subsistenz früher die Grundlage bäuerlichen Wirtschaftens  – und damit des menschlichen Überlebens.

    Subsistenz versus Spezialisierung, Industrialisierung, Globalisierung

    Das Gegenteil von Subsistenz heißt Spezialisierung, Industrialisierung, Globalisierung. Beispiel deutsche Landwirtschaft: Wo nur noch Mastbullen oder Schweine gezüchtet werden, gibt es keine Hühner mehr, die den Hof mit Eiern versorgen können und auch keine Roggenfelder, aus deren Ertrag das Mehl fürs eigene Brot stammen könnte. Dabei ist das Leben in der Stadt in der Regel noch subsistenzferner als das dörfliche. Hochspezialisierte Arbeit im Büro, Geschäft oder der Fabrik bedeutet weniger Wissen um handwerkliche Techniken, die nötig sind, um Kleidung, Nahrung, Gebrauchsgegenstände selbst herzustellen – und weniger Zeit und Wertschätzung für solcherlei Tätigkeiten. Aber Subsistenz ist auch im urbanen Raum möglich und wird gerade vor dem Hintergrund einer nachhaltigen Entwicklung und der Postwachstumsbewegung in den Vordergrund gerückt, zum Beispiel im Rahmen von Gemeinschaftsgärtnerei oder urbaner Landwirtschaft.

    Subsistenz und Freiheit

    Die Wintermütze selbst häkeln, das eigene Brot backen, Kompott einmachen, Setzlinge und Pflanzensamen unter FreundInnen tauschen – was oft wenig wertschätzend als „Hobby“ eingestuft wird, wird von einigen VordenkerInnen wie der österreichischen Ethnologin und Soziologin Veronika Bennholdt-Thomsen  längst als „Plan B“ der ressourcenvergessenen, globalisierten Wirtschaftsweise gegenübergestellt. Subsistenz hat, bei Licht besehen, nämlich sehr viel mit Freiheit zu tun. Selber machen und selber können bedeutet immer auch nicht angewiesen sein: auf große Abnehmer, Konzerne oder Märkte, auf die Produzenten von Kleidung, Saatgut und Nahrung und deren Art, mit Menschen und Umwelt umzugehen. Das Selberhäkeln einer Mütze, das Nähen einer Hose, das Tomatenziehen in einer alten Kiste auf dem Balkon ist in dieser Sichtweise eine Selbstermächtigung und ein kleiner, großer Akt der Freiheit: Die Regeln der globalisierten, profitorientierten Wirtschaftsweise müssen nicht zwangsläufig mitgetragen werden. Selbst denken, selbst machen ist möglich. Und macht Freude!

    Ein Gefühl für das „Genug“ entwickeln

    Traditionell subsistenzwirtschaftende Gemeinschaften, wie sie heute beispielsweise noch in unwegsamen Gegenden oder den indigen geprägten Landschaften Lateinamerikas zu finden sind, entnehmen der Natur nur das Lebensnotwendige. Dadurch ist diese Lebensweise in besonderem Maße nachhaltig und dient dem Erhalt der biologischen Vielfalt. Hier existiert ein direktes Interesse an der Aufrechterhaltung und dem Schutz der Ökosysteme, in denen das Leben und Wirtschaften stattfindet. Das „Subsistenzgefühl“, das solche Gesellschaften prägt, erfahren wir in unserem Lebensalltag am ehesten im Garten und bei der Gartenarbeit: Die Soziologin Maria Mies, die gemeinsam mit Bennholdt-Thomsen das Konzept der „Subsistenzperspektive“ entwickelt hat, das Subsistenzwirtschaft als Weg hin zum guten Leben weltweit ins Spiel bringen will, formuliert das so: „Die Natur bringt eine Fülle hervor, sodass man immer zu viel hat und teilen und verteilen muss. Der Garten ist kein Produktionsort, sondern ein Ort der Begegnung neuer, großzügiger, nachbarschaftlicher Beziehungen von Menschen zu Menschen.“ Und auch für Veronika Bennholdt-Thomsen ist es die Bauern- und Gartenkultur, in der Wissen und Erfahrungen um subsistenzorientiertes Handeln bewahrt, weiterentwickelt und weitergegeben werden – und die hier und heute Wegweiser sein kann. „Es geht zum Beispiel darum, sich in natürliche Kreisläufe eingebunden zu fühlen, Vielfalt wertzuschätzen und zu erhalten, handwerkliche Fähigkeiten zu kultivieren, sorgsam und pfleglich mit Boden, Luft und Wasser umzugehen und ein Bewusstsein für „genug“ zu entwickeln.“

    In diesem Sinne wollen wir von Quartier Zukunft auch den Pflanzentausch verstehen: Als Möglichkeit, die Vielfalt zu fördern – in unserem Garten und unserer Nachbarschaft!

     

     

    Mehr Infos:

    Maria Mies: Die Subsistenzperspektive

    Johanna Biesenbender, Sigrid Gerl, Johann Strube und Monika Thuswald: Die Subsistenzperspektive – eine Umorientierung zum Guten Leben für alle

     

  10. Schnell, schneller, Fast Fashion. Wir denken nach über ein Phänomen und laden ein zur Kleidertauschparty

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    40 % unserer Kleidung, besagt die Greenpeace Studie „Wegwerfware Kleidung“, tragen wir selten oder nie. Die Produktion einer einzigen Jeans verbraucht 7000 Liter Wasser. Dabei sind die Arbeitsbedingungen, unter denen Menschen in Billiglohnländern unsere Kleidung herstellen, unverändert katastrophal, die für Färbung und „Veredelung“ von Stoffen verwendeten Chemikalien nicht selten giftig.  Deshalb lädt Quartier Zukunft euch ein zur 2. Kleidertauschparty – am 19. März 2016 im Zukunftsraum.

    „Es war richtig, richtig cool. Ich hab‘ so viel eingekauft. Das ist so unnormal!“ ruft Youtube-Star Dagmara Ochmanczyk, alias Dagi Bee, begeistert in die Kamera. Vier Tüten Primark-Klamotten, erfährt man, hat sie gerade nach Hause geschleppt. Was „Dagi Bee“ da tut, nennt sich „Hauling“ und bezeichnet den anhaltenden Trend, nach dem Shopping auf Youtube-Kanälen seine „Beute“ zu präsentieren: Hosen, Tops, Shirts, Socken, Turnschuhe, Pumps und Kosmetikartikel werden in die Kamera gehalten, ihre Vorzüge gepriesen, Preise und Bezugsquellen genannt. Über 2,5 Millionen Abonnenten, vor allem junge Mädchen, verfolgen Dagi Bees Konsum-Kino auf Youtube.

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    Fast Fashion, das heißt bis zu vierundzwanzig Kollektionen im Jahr

    Auch in der Fabrik Rana Plaza, bei deren Einsturz vor drei Jahren 1130 Menschen ums Leben kamen, arbeiteten die NäherInnen für Primark und andere Textilriesen, deren Kleidung in Deutschland en masse verkauft wird. Kleidung, die längst nicht mehr produziert wird, um zwei, drei, vier Jahre lang getragen zu werden, sondern die nahezu wochenweise ausgetauscht wird. Schnell, schneller, Fast Fashion: Statt wie früher üblich mit zwei Kollektionen pro Jahr an die KundInnen heranzutreten, präsentieren etwa H&M, Primark, Zara und die anderen Bigplayer am Markt von Januar bis Dezember bis zu 24 Kollektionen. Ein Wandel, der sich auch in Textilmüll messen lässt und bei den Briten als der sogenannte „Primark-Effekt“ Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden hat. So fielen 2014 auch in Deutschland 21 Tonnen mehr Kleidungsabfall an als zehn Jahre zuvor.

    Das Spiel mit der Zugehörigkeit – und dem Einzigartigsein

    Na klar, Mode lebt von Veränderung, nein, ist Veränderung. Es geht hier weniger um Funktionalität oder Schönheit als um eine Art Modellierung des Ichs, in deren Zuge eine Bluse nicht bloß eine Bluse, eine Leggings mehr als ein wärmendes Beinkleid ist. Das ist kein neues Phänomen, denn der Philosoph und Soziologe Georg Simmel beobachtete schon 1905 in seiner „Philosophie der Mode“: „So hässliche und widrige Dinge sind manchmal modern, als wollte die Mode ihre Macht gerade dadurch zeigen, dass wir ihretwegen das Abscheulichste auf uns nehmen.“ Die Dinge sind keine Dinge mehr, werden kulturell aufgeladen, statten den Träger oder die Trägerin mit Bedeutung aus. Tatsächlich geht es um nicht weniger als ein faszinierendes Spiel im Spannungsfeld zwischen Zugehörigkeit und Einzigartigsein. So recht aussteigen kann da übrigens keiner. Den „Verein der Vereinsgegner“ nannte Simmel in diesem Sinne jene Leute, die nicht mitmachen wollen, und eben dadurch schon längst wieder ihre eigene „Mode“ kreiert haben. Alleine archaische Gemeinschaften und Diktaturen zeichneten sich dadurch aus, keine Mode zu kennen.

    Vom freien Spiel mit den Dingen in die Diktatur der Dinge?

    Mode als kreatives Mittel, sich selbst ausdrücken, ist also durchaus auch ein Ausdruck von Freiheit, von Selbstverortung, von Spiel. Der kritische Moment ist für Petra Leutner, Professorin für Modetheorie und Ästhetik an der AMD in Hamburg aber jener, in dem in einer hyperkonsumistischen Gesellschaft die Bewegung von einem Must-have zum nächsten zum Zwang wird. Und das System der Mode zum „unentrinnbaren Handlungskorsett“ für den „neuen Menschtypus Verbraucher“. Kurz gesagt: An diesem Punkt spielen wir nicht mehr mit den Dingen, sondern die Dinge mit uns. Das Regiment der Dinge hat sich zur Diktatur formiert.

    Kleidertausch statt Kleiderkonsum

    Fast Fashion zu kontern, indem wir auf Secondhand, Gebrauchtes, von anderen Verschmähtes zurückgreifen, macht Sinn, denn in Zeiten des Überflusses finden wir alle Dinge in unseren Kleiderschränken, die nicht mehr passen oder gefallen. Auch das Prinzip Kleidertausch setzt genau hier an und fängt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Es kann mit Mode experimentiert werden, während die eigenen „Schrankleichen“ nicht im Müll landen – oder im Kleidercontainer. Je nach Anbieter wird diese „Kleiderspende“ nämlich nicht an Bedürftige vor Ort weitergegeben, sondern in den globalen Süden oder nach Osteuropa exportiert und zerstört dort die heimischen Textilmärkte. Eine Kleidertauschparty ist da die bessere Möglichkeit; Klamotten, die man selbst nicht mehr trägt, können für andere Menschen zu neuen Lieblingsstücken werden. Konsumfallen lauern aber auch hier. Verleitet das Wissen, dass die nächste Kleidertauschparty vor der Tür steht uns am Ende dazu, ein Schnäppchen im Klamottenladen mitzunehmen, von dem wir nicht sicher sind, dass wir es wirklich brauchen…? Schließlich wird sich doch sonst bestimmt bei der nächsten Kleidertauschparty jemand finden lassen, der sich über dieses Kleidungsstück sehr freut…? Auch hier steht im Raum: Wie viel Kleidung brauche ich? Wie viel Zeit sollte ich auf mein Äußeres und Mode verwenden? Was macht mich eigentlich zufrieden?

    Einladung zur Kleidertauschparty im Zukunftsraum

    Und dennoch: Kleidertauschpartys im Quartier machen Spaß, sind gemeinschaftsstiftend und die fast neue, aber zu eng oder weit gewordene Hose sollte eine neue Besitzerin finden. All das sind Aspekte von Nachhaltigkeit. Bei Quartier Zukunft funktioniert das Ganze dann nicht nach dem Eins-zu-Eins-Prinzip, bei dem ein T-Shirt gegen einen Rock getauscht wird, sondern eher à la Schlaraffenland. Alle breiten alles aus – genommen wird, was gefällt und passt. Mit dem Ziel, möglichst wenig übrig zu behalten.

    Wir laden euch also herzlich dazu ein, Klamotten zu tauschen, Spaß zu haben, Kuchen, Kekse und Quiche zu essen, zusammen zu sein! Ein kleiner Beitrag zum Mitbringbuffet ist herzlich willkommen.

    Wann: Samstag, 19. März 2016, ab 15:00 Uhr

    Wo: Im Zukunftsraum für Nachhaltigkeit und Wissenschaft, Rintheimer Str. 46, 76131 Karlsruhe

     

    Greenpeace-Umfrage „Wegwerfware Kleidung“ aus 2015

    Prof. Dr. phil. Petra Leutner über die Mode und das Regiment der Dinge

  11. Was kommt nach dem Wachstum?

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    Derzeit beschäftigen sich in Europa immer mehr Menschen mit der Frage, wie und ob gesellschaftlicher Wohlstand innerhalb einer Wirtschaft ohne Wachstum dauerhaft verwirklicht werden kann. Welche Rolle spielen hierbei Zivilgesellschaft, Politik, Wirtschaft und die Wissenschaft? Auch an den Hochschulen in Karlsruhe wird dazu geforscht.

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    Wirtschaft ohne Wachstum?

    In der politischen Debatte ist Wirtschaftswachstum ein zentrales Element. Es ist sogar im deutschen Grundgesetz verankert: Das „Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft“  von 1967 sieht unter anderem ein „angemessenes und stetiges Wirtschaftswachstum“ vor – also ein stetiges Ansteigen der Produktion und des Konsums.

    Diese wachstumsbasierte Wirtschaft verursacht jedoch Umweltverschmutzung und Emissionen, die zur Zerstörung von Lebensräumen führen, die von Mensch, Tier, und Pflanze gebraucht werden. Doch nicht nur diese sind darauf angewiesen, sondern die Verfügbarkeit von Ressourcen aus diesen natürlichen Lebensräumen ist auch für die Wirtschaft notwendig. Vor allem sind die zur Energiegewinnung notwendigen Ressourcen endlich und werden immer knapper.

    Der Club of Rome prognostizierte 1972 in seinem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“, dass das Wachstum der Weltwirtschaft aus diesen Gründen zusammenbrechen wird. Und tatsächlich, inzwischen fallen die globalen Wachstumsraten, die sozialen Ungleichheiten nehmen regional und global zu und der Klimawandel beginnt sich zunehmend bemerkbar zu machen. Es ist also an der Zeit, Alternativen zur Wachstumswirtschaft zu entwickeln.

    Wachstumskritik in Wissenschaft und Politik

    Auch in Politik und Wissenschaft kehrt die Kritik am Wachstumsdogma langsam ein. Von 2010 bis 2013 tagte die Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ des deutschen Bundestags zu Fragen wie „Was ist eigentlich Wohlstand?“, „Wie hängt Wohlstand mit Wirtschaftswachstum zusammen?“, oder dazu, wie und ob sich Ökologie, soziale Gerechtigkeit, und Wirtschaft(swachstum) vereinen lassen. Vor allem die Postwachstumsbewegung (engl. Degrowth), eine sowohl aktivistische als auch wissenschaftliche Bewegung mit Wurzeln im südeuropäischen Raum, spricht sich gegen Wirtschaftswachtum aus. Darauf basierend wird der Frage nachgegangen, wie ein gutes Leben in einer Postwachstumsgesellschaft beschaffen und möglich ist. Jedoch gibt es – trotz vieler engagierter Gruppen und Einzelpersonen – aus wissenschaftlicher Perspektive noch vergleichsweise wenige Forschungsarbeiten und –ergebnisse rund um den Postwachstumsdiskurs.

    Ein Workshop des ITAS und der Karlshochschule

    Aus diesen Gründen veranstaltete das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am KIT gemeinsam mit der Karlshochschule International University am 5. und 6. November den Workshop „Forschungsperspektiven für eine Postwachstumsgesellschaft“. TeilnehmerInnen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen diskutierten zum einen über Konzepte und Theorien einer Postwachstumsgesellschaft im Hinblick auf die thematischen Schwerpunkte Stadt, Technik und Unternehmen. Zum anderen erörterten sie, welche Forschungsperspektiven rund um das Thema Postwachstum es gibt oder geben könnte.

    Wichtige Fragestellungen

    Grundsätzlich muss geklärt werden, was allgemein unter dem Begriff „Wachstum“ und „Wachstumskritik“ zu verstehen ist. So existieren unterschiedliche Arten des Wachstums wie der Anstieg der Produktion, Gewinnsteigerung, die wachsende Anzahl an KonsumentInnen oder die Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Des Weiteren ist offen, ob und welche Wachstumsprozesse auch in einer Postwachstumsgesellschaft sinnvoll sind.

    Es gilt ferner abzuschätzen, welche Vorteile ein Wachstumsverzicht für Akteure der Wirtschaft mit sich bringen kann. Was etwa sind Anreize für kleine Unternehmen, klein zu bleiben? Inwiefern sind sie dann überlebensfähig? Und kann man das Wachstum und die Größe von großen Unternehmen verringern, ohne dabei gesamtgesellschaftlich Stellenabbau zu betreiben?

    Auch muss weiter erforscht werden, wie entschieden werden kann, welche Entwicklungsländer noch wieviel wachsen dürfen und welche Industrienationen sich bremsen oder gar schrumpfen müssen. Dass es hierfür eines sorgfältigen ethischen Diskurses bedarf und dies auf politischer Ebene äußerst schwierig ist, zeigen die Klimagipfel der letzten Jahrzehnte.

    Auch die Rolle technischer Innovationen in der Postwachstumsgesellschaft muss noch geklärt werden. So führt etwa das Internet zwar zu großem Wirtschaftswachstum, andererseits bietet es zugleich Chancen zum Wandel: Als Beispiele seien die Begriffe „Open Source“ oder „Open Knowledge“ genannt sowie der digitale Austausch im Internet zwischen Reparatur-Cafés oder FabLabs. Wie viel Technologie man also in welchen Bereichen sinnvoll einsetzt, muss im insgesamt und im Einzelfall erörtert werden.

    Letztlich lohnt sich auch der Blick ins eigene Umfeld: Wo und wie kann ich dazu beitragen, meine Umgebung lebenswerter zu machen und einen Beitrag für ein gutes Leben zu leisten? In dieser Verantwortung sieht sich auch das Quartier Zukunft. Es gilt zu erproben, wie und ob in der Karlsruher Oststadt Elemente einer Postwachstumsgesellschaft hergestellt werden können, wie wir diese lebenswert gestalten können, und ob der Ansatz der Nachhaltigen Entwicklung einen hierfür geeigneten Rahmen bietet.

  12. Forschungskolloquium Reallabore: Experimentierraum Stadt

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    „Was ist ein Reallabor und vor welchem wissenschaftlichen Hintergrund steht dieses Konzept? Zu dieser spannenden Fragestellung beginnt am Mittwoch, den 28.10.2015 das mehrteilige “Forschungskolloquium Reallabore: Experimentierraum Stadt”. Veranstaltet von der „Karlsruher Schule der Nachhaltigkeit“  und verankert  im Begleitstudium Nachhaltige Entwicklung am ZAK, richtet sich das “Forschungskolloquium im Wintersemester 2015/2016 sowohl an Studierende sowie an WissenschaftlerInnen und interessierte Gäste.“

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    „Reallabore“ sind ein relativ junges Format für praxisnahe Forschung, die sich der Nachhaltigen Entwicklung verschrieben hat. Besonderheit dieser Art der Forschungsorganisation weitab des ‚Elfenbeinturms‘ der Wissenschaft ist Partizipation, also die systematische und offene Beteiligung von BürgerInnen und anderen Akteuren als Betroffene, Wissensträger und Adressaten, in einem längeren Prozess des Co-Design. Ein Reallabor wird vom KIT in der Karlsruher Oststadt betrieben – wir nehmen dies zum Anlass, mit den Organisator/innen, den beteiligten Wissenschaftler/innen und Stakeholdern von Reallaboren, Studierenden  und Interessierten gemeinsam das „Forschungskolloquium Reallabore:  Experimentierraum Stadt“ über diese Forschungsform durchzuführen.

    Dabei wird es schwerpunktmäßig um einen Austausch zu den offenen Fragen der Reallaborforschung gehen, zu dem auch Gäste anderer Reallabore eingeladen werden. An einem Exkursionstag (vor. 25.11.) werden wir die Reallabore in Stuttgart besuchen, um andere Interpretationen des Konzeptes „Reallabor“ kennenzulernen.

    Als Studierende haben Sie Gelegenheit, Einblick in die Mechanismen der Forschungsförderung, Planung und Durchführung transdisziplinärer Forschung zu erhalten. Studienleistungen können durch Protokollieren (2 CP), Lern-Portfolios (3 CP), Hausarbeiten (4 CP) oder kleine Projekte (4 CP) erbracht werden. Das Kolloquium ist verankert  im Begleitstudium Nachhaltige Entwicklung am ZAK.

    Interessierte WissenschaftlerInnen sind ebenfalls herzlich eingeladen teilzunehmen und erhalten eine entsprechende Teilnahmebestätigung.

    Zeit:    Wintersemester 2015/16, Mittwochs, 11.3o Uhr-13.oo Uhr,
    Ort:    „Zukunftsraum“, Rintheimer Str. 46, Karlsruhe 

    Alle Termine des Forschungskolloquium Reallabore: Experimentierraum Stadt im Überblick finden Sie im Word-Dokument unter folgendem Link:

    Forschungskolloquium Reallabore

  13. ReparaturCafé mit extra ReparierZeit für Kinder & Jugendliche

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    Was macht man mit einem Toaster, der nicht mehr funktioniert? Oder wenn die Gangschaltung des Fahrrads kaputt ist, der Computer spinnt oder der Lieblingspulli gerissen ist? Wegwerfen? Nein. Reparieren! Nach zwei sehr erfolgreichen Karlsruher ReparaturCafés im Kinder- und Jugendhaus in der Oststadt, und einem dritten ReparaturCafé auf Reisen im Jubez findet am 18.10. das nächste ReparaturCafé wieder im Kinder- und Jugendhaus statt, diesmal mit einer extra ReparierZeit für Kinder und Jugendliche.

    ReparierZeit für Kinder & Jugendliche

    Von 11.00 bis 13.00 Uhr öffnet das ReparaturCafé seine Tore speziell für Kinder und Jugendliche. In diesem Zeitraum werden ausschließlich Kinderfahrräder, elektronisches Spielzeug oder solches aus Holz sowie Puppenkleider und ähnliches gemeinsam mit ihren Besitzern repariert. Kinder und Jugendliche haben die Möglichkeit den Reparateuren bei der Reparatur ihres kaputten Gegenstandes über die Schulter zu schauen, selbst Hand anzulegen und so zu lernen wie ein Fahrradreifen geflickt, Holz geleimt oder ein Kopfhörerstecker gelötet wird. Zudem kann in kreativen Upcycle Workshops den Ideen freier Lauf gelassen werden. Ob Vasen aus Tetrapacks oder oder selbstentworfene Monsterpuppen, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. WICHTIG: Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die etwas reparieren möchten, bringen bitte die von einem Erziehungsberechtigen unterschriebenen AGBs des ReparaturCafés mit.

    Das ReparaturCafé

    Gemeinsam mit Ihnen setzen wir erneut ein Zeichen gegen das Wegwerfen und den vorschnellen, oftmals unnötigen Erwerb neuer Produkte. Alle Interessierten sind herzlich dazu eingeladen, das ReparaturCafé zum Werkeln und austauschen zu nutzen. Beschädigte Haushaltsgegenstände (z.B. Mixer oder Toaster), Kleinmöbel (z.B. Stühle, Regale und Kommoden), Fahrräder, die Lieblingskaffeetasse mit abgebrochenem Henkel, Gartenwerkzeuge, Radios und vieles mehr können Sie selbst reparieren und reparieren lassen. Es wird wieder vier verschiedene Werkstätten geben:

    • Näh-Reparaturwerkstatt
    • Fahrrad-Reparaturwerkstatt
    • Elektronik-Reparaturwerkstatt
    • Holz-, Keramik- und Metall-Reparaturwerkstatt

    Kaffee, Tee, Limonade, Kuchen und Brezeln sorgen für die nötige Energie, Kreativität und Geselligkeit.

    Was, wann und wo?

    Das ReparaturCafé in Karlsruhe ist kostenfrei. Geld- und Kuchenspenden sind willkommen! Das nächste ReparaturCafé findet am 18. Oktober 2014 in der Zeit von 11:00 bis 18:00 Uhr im Kinder- und Jugendhaus der Oststadt, Rintheimer Str. 47, 76131 Karlsruhe, statt. Von 11:00 bis 13:00 Uhr ist die ReparierZeit für Kinder und Jugendliche reserviert.   Das Quartier Zukunft Team freut sich auf Sie und ein weiteres schönes ReparaturCafé!

  14. BürgerForum: Themenausschuss „Verträglich wirtschaften und arbeiten“

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    Am 11. Oktober 2014 startet das BürgerForum Nachhaltige Oststadt | Zukunft aus Bürgerhand mit einer Auftaktwerkstatt. Auf dieser Website erfahren Sie in den Tagen bis zur Veranstaltung, welche Themen im Rahmen des BürgerForums besprochen werden. Vier Themenauschüssen wurden bereits vorgestellt. Es folgt mit diesem Artikel die Darstellung des fünften und letzten Themenausschusses „Verträglich wirtschaften und arbeiten“. Wirtschaften bedeutet mehr als der Umgang mit Geld, Einkaufen oder Sparen. Gibt es Platz für ein Wirtschaften, das sich am Gemeinwohl orientiert, und für Arbeit, die uns erfüllt?

    Wirtschaften bedeutet mehr als der Umgang mit Geld, Einkaufen oder Sparen. In einer Stadt verlaufen viele Waren-, Energie- und Geldkreisläufe, die oft in enger Beziehung zueinander stehen. Riesige Warenmengen werden aus dem Umland und zunehmend auch aus Übersee in die Stadt geholt, verarbeitet und verbraucht. Neu hergestellte Produkte ebenso wie große Abfallmengen verlassen die Stadt wiederum und werden in die ganze Welt geführt. Viele Kreisläufe können von uns beeinflusst werden: In der Stadt können eigenständig Waren, Lebensmittel oder Strom produziert werden. Dies kann nicht große Kraftwerke oder Landwirtschaft ersetzen, aber doch einen Beitrag zur Versorgung leisten. Oder Dinge werden repariert, wiederverwendet, weiterverwendet. Welchen Beitrag können wir sonst noch leisten, um regional zu wirtschaften? Wie können Gegenstände besser wiederverwertet werden und wie können wir vom Konsumenten zum Produzenten werden?

    Die uns zur Verfügung stehenden Mittel sind endlich, das gilt für Raum, Rohstoffe, Energie und Zeit. Doch wie reagieren wir auf diese Erkenntnis in unserem privaten und beruflichen Leben? Wie teile ich meine Arbeits- und Lebenszeit ein? Schafft mehr Arbeit noch ein Mehr an Lebensqualität?

    Regionale Produkte werden viel gepriesen während andererseits in der Oststadt die kleinen Geschäfte schließen, wie beispielsweise gerade mit der letzten Oststadtmetzgerei geschehen. Woher kommen die Lebensmittel in unseren Supermärkten, unter welchen Bedingungen wurden sie produziert und gehandelt? Nachhaltige Lebensmittel kosten vielleicht mehr Geld, sind aber gesünder und schützen Leib und Leben von Menschen, Tieren und erhalten Landschaften. Können wir im Gegenzug Lebensmittelabfälle vermeiden und hier wieder Geld sparen?  Gibt es Platz für ein Wirtschaften, das sich am lokalen und globalen Gemeinwohl orientiert? Können wir lokal handeln, ohne globale Probleme zu verstärken? Sie sind herzlich dazu eingeladen, hierüber Ihre eigenen Erfahrungen und Fragen in den Ausschuss mitzubringen, zu diskutieren und Lösungsvorschläge zu entwickeln.

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    Die weiteren Ausschussthemen werden wie folgt auf der Website des Quartier Zukunft besprochen:

    Sie möchten am BürgerForum Nachhaltige Oststadt | Zukunft aus Bürgerhand teilnehmen? Alle Informationen zur Anmeldung finden Sie unter www.karlsruhe.buergerforum2014.de.

    Weiterführende Informationen

    Website der Stadt Karlsruhe

  15. BürgerForum: Themenausschuss „Alltagsmobilität im Blick“

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    Am 11. Oktober 2014 startet das BürgerForum Nachhaltige Oststadt | Zukunft aus Bürgerhand mit einer Auftaktwerkstatt. Auf dieser Website erfahren Sie in den Tagen bis zur Veranstaltung, welche Themen im Rahmen des BürgerForums besprochen werden. Nach den Themenauschüssen “Energie neu denken – Klima schützen”, “Stadtgesellschaft im Wandel – Lebensqualität steigern” und „Leben und Wohnen in der Oststadt“ folgt mit diesem Artikel die Darstellung des Themenausschusses „Alltagsmobilität im Blick“. Wir sind mobil – auf Gedeih und Verderb. Wie kann ich mich in meiner Stadt fortbewegen, ohne die Umwelt zu belasten? Wie lässt sich unsere Mobilität sozial gerecht und menschlich gestalten?

    Jeder von uns ist mobil, muss mobil sein. Wir bewegen uns fort. Vom Bett bis vor die Haustüre und weiter. Manche fahren zur Arbeit, flanieren zum Bäcker um die Ecke, andere radeln zur Uni, fahren mit dem Auto oder nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel. Für wiederkehrende Wege im Alltag nutzen wir meist dieselben Verkehrsmittel und denken nur bei schlechtem Wetter, Baustellen oder einem Streik des KVV wieder neu darüber nach, welches Verkehrsmittel wohl das Beste wäre.  Dabei haben die unterschiedlichen Verkehrsmittel erheblichen Einfluss darauf, wie stark wir die Umwelt belasten, wie viel Lärm wir uns und unseren Mitmenschen zumuten und wie viel Platz in unserem Stadtteil für versiegelte Verkehrsflächen benötigt wird. Sie beeinflussen jedoch auch, wie viel Bewegung und frische Luft wir am Tag haben und wie entspannt oder gestresst wir an unserem Ziel ankommen.

    Die verschiedenen Verkehrsmittel erlauben uns einen unterschiedlich intensiven Austausch mit Mitmenschen, andere Sinneserfahrungen und bieten mehr oder minder Möglichkeiten zur körperlichen Betätigung. Sie stellen aber auch Ansprüche an die körperliche Konstitution, die nicht jeder erfüllen kann. Wichtig ist es deshalb, gerade alte Menschen, Kinderwägen und Menschen mit Behinderung im Blick zu behalten und praktikable Möglichkeiten für ihre Mobilitätsbedürfnisse bereitzustellen.

    Neben infrastrukturellen Gegebenheiten, die nachhaltige Mobilitätsformen begünstigen können, wie beispielsweise ein gut ausgebautes Radverkehrsnetz, spielt auch die Information über die jeweils individuell geeigneten Optionen, sich in der Stadt oder zwischen Stadt und Umland  zu bewegen, eine zentrale Rolle. Hierbei  ist zum Beispiel auch eine Verknüpfung zwischen den unterschiedlichen Angeboten, wie Fahrrad- und Autoleihsysteme etc. zu denken. Welche Ideen und Verkehrskonzepte sind für die Zukunft in der Oststadt und Karlsruhe wünschenswert? Wie lässt sich unsere Mobilität sozial gerecht gestalten? Sie sind herzlich dazu eingeladen, hierüber Ihre eigenen Erfahrungen und Fragen in den Ausschuss mitzubringen, zu diskutieren und Lösungsvorschläge zu entwickeln.

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    Die weiteren Ausschussthemen werden wie folgt auf der Website des Quartier Zukunft besprochen:

    Sie möchten am BürgerForum Nachhaltige Oststadt | Zukunft aus Bürgerhand teilnehmen? Alle Informationen zur Anmeldung finden Sie unter www.karlsruhe.buergerforum2014.de.

    Weiterführende Informationen

    Website der Stadt Karlsruhe

  16. BürgerForum: Themenausschuss „Leben und Wohnen in der Oststadt“

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    Am 11. Oktober 2014 startet das BürgerForum Nachhaltige Oststadt | Zukunft aus Bürgerhand mit einer Auftaktwerkstatt. Auf dieser Website erfahren Sie in den Tagen bis zur Veranstaltung, welche Themen im Rahmen des BürgerForums besprochen werden. Nach den Themenauschüssen „Energie neu denken – Klima schützen“ und „Stadtgesellschaft im Wandel – Lebensqualität steigern“ folgt mit diesem Artikel die Darstellung des Themenausschusses „Leben und Wohnen in der Oststadt“. Welche Wohnformen wünschen wir uns für die Zukunft? Wie bringen wir die Generationen wieder näher zusammen? Welche anderen Dinge gibt es, die für uns ein lebenswertes Wohnumfeld ausmachen, in dem wir bleiben oder das wir neu beziehen möchten?

    Einige von uns haben sich für die Oststadt als neuen Wohnort entschieden und müssen sich erst einmal zurechtfinden im neuen Stadtraum. Einige von uns wohnen schon länger in ihrem Quartier. Sie fühlen sich wohl in ihrer gewohnten Umgebung und stellen sich die Frage, ob und wie sie ihren Wohnort noch im Alter behalten können. Die Beantwortung dieser Frage hängt sicherlich auch davon ab, ob die nötige Infrastruktur, wie Einkaufsmöglichkeiten, Gesundheitsversorgung, Erholungsräume, öffentlicher Nahverkehr etc. im Quartier vorhanden und gut erreichbar ist. Sie hängt aber vielleicht auch davon ab, ob es eine funktionierende Gemeinschaft in der Nachbarschaft gibt. Kennt man seinen Nachbarn, um ihn zum Beispiel fragen zu können, ob er einem beim Einkauf oder bei der Betreuung helfen kann?

    Welche Wohnformen wünschen wir uns für die Zukunft? Wie bringen wir die Generationen wieder näher zusammen? Welche anderen Dinge gibt es, die für uns ein lebenswertes Wohnumfeld ausmachen, in dem wir bleiben oder das wir neu beziehen möchten? Die Bedürfnisse an unser Wohn- und Lebensumfeld verändern sich im Laufe unseres Lebens, nach Schule und Ausbildung kommt für viele die Zeit der Familiengründung in der plötzlich mehr Wohnraum benötigt wird. Oft finden Familien nur schlecht bezahlbaren innenstadtnahen Wohnraum und wandern ab. Deshalb gilt es zu überlegen, wie Familien und älteren Menschen weiterhin ein attraktives Leben im Quartier ermöglicht werden kann.

    Und: In einer Stadt treffen viele unterschiedliche Lebensstile und Werte aufeinander. Wie kann man den unterschiedlichen Bedürfnissen einer vielfältigen Gesellschaft gerecht werden? Wie können wir sogar voneinander lernen, wie Gemeinschaft stärken? Sie sind herzlich dazu eingeladen, hierüber Ihre eigenen Erfahrungen und Fragen in den Ausschuss mitzubringen, zu diskutieren und Lösungsvorschläge zu entwickeln.

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    Die weiteren Ausschussthemen werden wie folgt auf der Website des Quartier Zukunft besprochen:

    Sie möchten am BürgerForum Nachhaltige Oststadt | Zukunft aus Bürgerhand teilnehmen? Alle Informationen zur Anmeldung finden Sie unter www.karlsruhe.buergerforum2014.de.

    Weiterführende Informationen

    Website der Stadt Karlsruhe

  17. BürgerForum: Themenausschuss “Stadtgesellschaft im Wandel”

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    Am 11. Oktober 2014 startet das BürgerForum Nachhaltige Oststadt | Zukunft aus Bürgerhand mit einer Auftaktwerkstatt. Auf dieser Website erfahren Sie in den Tagen bis zur Veranstaltung, welche Themen im Rahmen des BürgerForums besprochen werden. Nach dem Themenauschuss “Energie neu denken – Klima schützen” folgt mit diesem Artikel die Darstellung des Themenausschusses „Stadtgesellschaft im Wandel – Lebensqualität steigern“. Weniger – älter – bunter, lauten knapp die Kennzeichen der gegenwärtigen Bevölkerungsentwicklung. Dass der demographische Wandel viele Herausforderungen birgt, denen sich unsere Gesellschaft stellen muss, ist inzwischen mehr als deutlich.

    Weniger – älter – bunter, lauten knapp die Kennzeichen der gegenwärtigen Bevölkerungsentwicklung. Dass der demographische Wandel viele Herausforderungen birgt, denen sich unsere Gesellschaft stellen muss, ist inzwischen mehr als deutlich. Wir sind Teil dieser Entwicklung und bekommen die Auswirkungen einer veränderten Gesellschaftsstruktur schon heute zu spüren. In diesem Ausschuss diskutieren wir den Umgang mit der Thematik speziell in der Karlsruher Oststadt.

    In Anbetracht der sinkenden Geburtenrate und einer wachsenden Zahl an älteren Menschen stellt sich die Frage, wer und in welcher Form sich zukünftig um uns kümmern wird und welche Rolle dabei beispielsweise generationenübergreifende Wohnformen und Nachbarschaften einnehmen. Welche Unterstützungsangebote gibt es schon und an welcher Stelle besteht noch Ausbaupotenzial? Gerade eine bunt gemischte Stadtbevölkerung bietet zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten beim gegenseitigen Versorgen und Kümmern. Menschen aus anderen Kulturen bereichern unsere Gesellschaft, das Zusammenleben im Alltag birgt aber auch Herausforderungen, um ein vertrauensvolles und wertschätzendes Zusammenleben zu ermöglichen.

    Wie können wir unsere Lebensqualität verbessern oder möglichst lange aufrechterhalten? Wie lassen sich Entschleunigung und Stressabbau in unseren Alltag integrieren? Gerade heute, wo wir an und über den Grenzen unserer Leistungsfähigkeit arbeiten, darf unsere eigene auch seelische Gesundheit nicht zu kurz kommen. In diesem Zusammenhang stellen sich vor allem auch die Fragen, was das Leben in der Stadt lebenswert und lebendig macht und wie wir möglichst lange gesund in ihr leben können. Was dagegen sind eher krankheitsfördernde Faktoren und  wie können wir diese vermeiden? Sie sind herzlich dazu eingeladen, hierüber Ihre eigenen Erfahrungen und Fragen in den Ausschuss mitzubringen, zu diskutieren und Lösungsvorschläge zu entwickeln.

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    Die weiteren Ausschussthemen werden wie folgt auf der Website des Quartier Zukunft besprochen:

    • „Leben und Wohnen in der Oststadt“ am Mittwoch, den 01. Oktober 2014
    • „Alltagsmobilität im Blick“ am Montag, den 06. Oktober 2014
    • „Verträglich wirtschaften und arbeiten“ am Mittwoch, den 08. Oktober 2014
    • Energie neu denken – Klima schützen”, bereits online

    Sie möchten am BürgerForum Nachhaltige Oststadt | Zukunft aus Bürgerhand teilnehmen? Alle Informationen zur Anmeldung finden Sie unter www.karlsruhe.buergerforum2014.de.

    Weiterführende Informationen

    Website der Stadt Karlsruhe

  18. Park(ing) Day in der Oststadt

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    Im Jahr 2015 wird der Park(ing) Day wieder in der Karlsruher Oststadt stattfinden, nachdem bereits 2014 Parkplätze zu gemeinschaftlich genutztem Raum für Entspannung und Kreativität umgestaltet wurden.

    • Wann: 18.09.2015, 11:00-18:00 Uhr
    • Wo: Ludwig-Wilhelm-Straße in der Karlsruher Oststadt

    Die Initiatoren freuen sich, wenn auch Sie spontan mitmachen und viele Parkplätze in lebenswerten Stadtraum verwandelt werden! Im Folgenden finden sie den Bericht zum Park(ing) Day 2014 zur Hintergrundinformation.

    Ein großer Teil urbaner öffentlicher Räume wird dem Fahrzeug und entsprechender Infrastruktur gewidmet, während ein entsprechend geringer Teil den Bewohnerinnen und Bewohnern unserer Städte für Erholung und Freizeit, Kreativität, Kommunikation und Austausch zur Verfügung steht. Die Vision des Park(ing) Day ist es, bestehende Vorstellungen der Nutzung öffentlicher Räume herauszufordern und sichtbar zu machen. Die Umnutzung von Parkraum offenbart wertvollen Experimentierraum für Sozialleben, Kunst und Kreativität. Am 19. September 2014 in der Ludwig-Wilhelm-Straße in der Karlsruher Oststadt. „Aus Parkraum wird Stadtraum – solange die Parkuhr läuft!“ beim internationalen Parking Day 2014. Dieser findet in diesem Jahr erstmals auch in Karlsruhe statt.

    Stadtraum neu denken

    Der Park(ing) Day ist ein globales Event, das zum ersten Mal in San Francisco stattfand. Solange der erworbene Parkschein gilt, werden PKW-Parkplätze in Parks, Leseecken und Treffpunkte verwandelt. Dadurch soll zum einen auf den enormen Platzverbrauch durch private PKWs und deren Infrastruktur aufmerksam gemacht werden. Zum anderen soll die Möglichkeit ausgeschöpft werden, Fläche für die gemeinschaftlichen Bedürfnisse der Umgebung zu nutzen.

    Schließlich ist ein Parkplatz eine günstige Möglichkeit, wertvolle Fläche zu mieten und zur Nutzung als öffentlichen Raum freizugeben. Hierdurch kann kurzfristig Platz geschaffen werden für das, was in der speziellen Umgebung vielleicht fehlt: Grünfläche entsteht, wenn das Wort Parkplatz neu interpretiert wird und Raum nicht fürs Parken, sondern als Park genutzt wird. Gemeinschaft entsteht, wenn auf Sofas oder Decken zusammen gepicknickt wird. Kunst entsteht, wenn gemalt und musiziert wird, Poesie vorgelesen oder Theater gespielt. Spiel entsteht, wenn im Tischkicker die Bälle rollen oder Schachturniere ausgefochten werden.

    Qualität des Lebensraumes erhöhen

    Mission des Park(ing) Day ist es, die Qualität menschlichen Lebensraumes nicht nur kurzfristig zu erhöhen. Der Anstoß eines kritischen Hinterfragens, wie öffentliche Räume bereitgestellt und genutzt werden, soll stattfinden. Dieser kann wiederum langfristig dazu beitragen, die Reflexion über gemeinschaftliche Bedürfnisse in die Nutzung von verfügbarer Fläche einfließen zu lassen. Der partizipative Ansatz des Events ermöglicht so allen Bürgern, die Werte, die die Gestaltung des öffentlichen Raumes bestimmen, zu diskutieren.

    Oststadt anders beparkt

    Die Initiative Park(ing) Day ist eine Arbeitsgruppe im Quartier Zukunft, die in der Ludwig-Wilhelm-Straße am Aktionstag Parkfläche gestalten wird. Das Projektteam des Quartier Zukunft unterstützt die Idee und wird selbst auch einen Parkplatz in Lebensraum verwandeln. Besucher sind herzlich willkommen. Nähere Informationen können Sie beim Klick auf das untenstehende Plakat zur Veranstaltung entnehmen.

    Weiterführende Informationen:

    Website des internationalen Park(ing) Days

  19. Entwicklungsszenarien für Karlsruhe

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    Was bedeutet der Ansatz der Nachhaltigen Entwicklung für unser Handeln? Was hat dieser mit der Entwicklung unserer Städte zu tun? Und wie können wir wissen, welche Auswirkungen bestimmte Maßnahmen, die wir heute ergreifen, in Zukunft haben werden? Studierende unterschiedlicher Disziplinen stellten diese und weitere Fragen im Quartier Zukunft Seminar „Entwicklungsszenarien für Karlsruhe“.

    Szenarien copy

    Das Seminar fand in Kooperation mit der Hochschule Darmstadt statt.  Unter der Anleitung von Richard Beecroft von der Hochschule Darmstadt und dem Team des Quartier Zukunft – Labor Stadt erarbeiteten Karlsruher und Darmstädter Studierende gemeinschaftlich Entwicklungsszenarien im Kontext des Stadtlebens von morgen. Zur Anwendung kam hierei die Szenario-Methode, um systematisch in die Zukunft zu blicken und gegenwärtige Handlungsstrategien zu überprüfen. Da die Methode eine systematische und ganzheitliche Vorgehensweise ermöglicht, können durch sie verschiedene Aspekte eines Problemfeldes zusammengedacht und somit Entwicklungsstränge für komplexe Problemfelder erarbeitet werden, wie zum Beispiel Wasserverbrauch, Treibhauseffekt, Luftverschmutzung oder Stadtentwicklung. Ausgangspunkt der Szenarien ist die gegenwärtige Lage. Als Rahmen für die kreative Gestaltung von Städten im nachhaltigen Sinne wurde für das Seminar ein fiktives, ein mal ein Kilometer messendes quadratisches Projektgebiet in der Karlsruher Oststadt ausgewählt. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Orte, vielleicht auch Unorte sich darin finden lassen, die ausbaufähig und entwicklungsfähig erscheinen. Nachdem die Studierenden ihren Untersuchungsraum festgelegt hatten, folgten die Analyse und schließlich die Erarbeitung der Entwicklungsszenarien. Hierbei war das Konzept Nachhaltige Entwicklung ebenso Anhaltspunkt wie die Leitfrage nach der Entwicklung städtischen Lebens, das sich an den Grenzen des Wachstums orientiert, also an der Erkenntnis, dass grenzenloses Wachstum in einer Welt begrenzter Ressourcen schwer vorstellbar ist. Dabei formulierten die Studierenden in interdisziplinärer Gruppenarbeit Schlüsselfragen zu folgenden Themen: alternative Verkehrskonzepte, Innenhofgestaltung, Förderung der Gemeinschaft innerhalb der Nachbarschaft sowie Anreize für nachhaltige Lebensentwürfe schaffen.
    Schnell stellten die Studierenden fest, dass bei der Beantwortung dieser Fragen in Form konkreter Projektideen neben architektonischen, städtebaulichen und technischen Aspekten auch soziale und psychologische Gesichtspunkte berücksichtigt werden müssen. So erschien die Akzeptanz durch die Bürgerschaft oftmals als Dreh- und Angelpunkt für das Gelingen oder Misslingen eines Projektes. Gemeinsam wurden Probleme gelöst, Ideen und Zukunftsszenarien entwickelt und dabei weiterführende Fragen aufgeworfen. Mit diesen im Gepäck und dem Fazit, dass der Schritt von der Theorie in die Praxis kein leichter, aber dafür ein umso spannenderer ist, endete das Seminar. Das Quartier Zukunft Team bedankt sich für die fruchtbaren Diskussionen und für die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Hochschule Darmstadt. Weitere Impressionen zur Veranstaltung finden Sie in der Galerie.

    Weiterführende Informationen:

    Szenario-Methode Begriffserklärung Grenzen des Wachstums

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