2024 ist unser Jahr der Entschleunigung und Selbstreflexion
Entschleunigung, Resonanz, Reflexion und Suffizienz – das sind wichtige Bausteine einer Nachhaltigkeitstransformation. So wichtig sie sind, so schwierig ist es, diese zu verwirklichen. Das Team vom Quartier Zukunft widmet sich 2024 programmatisch diesem Thema und hinterfragt das eigene beschleunigte Tun im Selbstexperiment.
Höher schneller weiter mehr. Grenzenloses Wachstum. Wir leben in einer Welt der Steigerungslogiken und steten Beschleunigung. Produktion, Arbeitstakt, Informationsflut, Möglichkeiten, Ansprüche und Ereignisdichte im Alltag nehmen zu. Immer mehr kann und soll geleistet werden. Immer deutlicher aber werden auch die Folgen und Fallstricke einer sich stetig beschleunigenden Moderne – in der Umwelt, der Gesellschaft und bei uns selbst.
Viele können mit der Geschwindigkeit schon jetzt nicht mehr mithalten, werden vom Zug der Zeit aus der Bahn geworfen, brennen oder steigen bestenfalls aus. Hinzu kommen die Anforderungen einer nötigen und drängenden Nachhaltigkeitstransformation: Wir müssen unser Leben und Wirtschaften grundlegend ändern. Diese „Große Transformation“ bringt neben Unsicherheit auch extreme Anstrengungen mit sich. So vieles gilt es, möglichst sofort umzubauen, zu reorganisieren, zu tun. Auch wir – oder vielleicht auch gerade wir – zerbrechen fast an dieser Mammutaufgabe, drohen in hektischen Aktivismus oder Apathie zu verfallen. Die Not wächst. Dementsprechend wird auch der Ruf nach Suffizienz, Degrowth, Resonanz und Entschleunigung immer lauter.
Dabei sind Entschleunigung und Resonanz (H. Rosa) sowohl Bedingung als auch Bestandteil einer Nachhaltigen Entwicklung; und Degrowth, beziehungsweise Suffizienz – sprich, ein Weniger, Genügsamkeit und das rechte Maß zu finden – eine zentrale Nachhaltigkeitsstrategie. Wie also umgehen mit der Notwendigkeit der Entschleunigung in einer sich stets beschleunigenden Welt? Wie umgehen mit dem Ruf nach Weniger angesichts der erforderlichen Anstrengungen der Transformation?
Ab sofort widmet sich das Quartier Zukunft verstärkt und programmatisch dem Thema „Entschleunigung, Einkehr, Selbstreflexion“ und vor allem den damit verbundenen Spannungsfeldern und Widersprüchen. Wir machen das Thema zum Jahresmotto unserer eigenen Arbeit – und uns selbst zum Erkundungs- und Versuchsfeld.
Wir haben uns im Team auf ‚Maßnahmen‘ (selbst das Wort erzeugt ja schon Stress) des Tuns und Lassens verständigt, üben uns im Weniger, Neinsagen und Möglichkeiten-nicht-wahrnehmen und organisieren mehr Raum und Zeit für Stille und Einkehr. Zum Beispiel erhöhen wir die Zahl unserer „Fokuswochen“, der Stillezeiten und der Meeting-freien Tage (auch spannend, dass ich zur Darstellung nicht eine Formulierung mit „Reduktion“, sondern mit „Erhöhung“ wähle) und reduzieren unsere Veranstaltungen und Kommunikation mit außen (was uns echt schwerfällt, weil es für unsere Arbeit essenziell wichtig ist).
Wir sind uns dabei der Größe und Schwierigkeit des Themenfeldes bewusst, wissen um unser Eingebundensein in die beschleunigte Welt, ihrer Be- und Entlohnungsmechanismen und der daraus auch für uns resultierenden Zwänge. Insofern erhoffen wir uns keine riesigen Entschleunigungssprünge, wohl aber eine erhöhte Aufmerksamkeit und ein Problembewusstsein und kleine Fortschritte (man beachte auch hier wieder die Steigerungs- und Fortschrittsrhetorik).
Und wir wären nicht Forschende, würden wir das ganze Unterfangen nicht auch als kleines Forschungsprojekt aufsetzen. Sprich, wir begeben uns in den Selbstversuch. Wir dokumentieren, sammeln Daten, reflektieren und lassen uns in unserem Ringen von außen forscherisch begleiten. In einem Jahr sollen die Ergebnisse dann auch publiziert werden. Vielleicht können sie Orientierung und Hilfestellung für andere bieten.
Der Einstieg in die Entschleunigung fällt uns dabei nicht leicht, bedarf es doch erheblicher Anstrengung, sich gegen den Strom zu wenden, zu bremsen und ein Weniger zu versuchen. Wir stellen uns dem, nicht zuletzt in der Hoffnung, in einer bereits übervollen Welt, Raum für das Neue, wirklich Andere zu schaffen und ganz nebenbei auch unser Nachhaltigkeits- und Transformationsverständnis zu vertiefen. Wir sind gespannt, wo uns dieser Selbstversuch hinführt.
Öffnungszeiten im Zukunftsraum
Wir sind auch weiterhin für euch da. Der Zukunftsraum hat Dienstag, Mittwoch, Donnerstag geöffnet, jeweils von 14.00 – 18.00 Uhr.
Telefonisch sind wir zu den Öffnungszeiten unter 0721 608 28954 zu erreichen. Oder per E-Mail unter info ∂does-not-exist.quartierzukunft de
